07. Dezember 2021
Dieter Schönecker

Immanuel Kant war skeptisch gegenüber der Pockenimpfung. Aber würde er sich gegen Corona impfen lassen?

Die Frage, ob Kant sich gegen Corona impfen liesse, ist zu ungenau.

Würde Kant sich impfen lassen, wenn es eine staatliche Impflicht gäbe? Gewiss, denn Bürger haben kein Recht auf Widerstand.

Zugleich würde Kant eine staatliche Impflicht wohl für einen Eingriff in die Autonomie halten. Aber neben den Rechtspflichten gibt es auch noch Tugendpflichten.

Würde Kant es also für eine ethische Pflicht halten, sich impfen zu lassen? Wieder muss man differenzieren: Denn es gibt ethische Pflichten gegen sich selbst und gegen andere. Und Kant fragt, ob das Selbstmordverbot es erlaube, sich gegen die Pocken zu impfen, gerade «um sein Leben zu erhalten» ‒ sein eigenes Leben, wohlgemerkt, nicht das der anderen.

Er lässt die Frage offen, wohl auch deshalb, weil man mit der Pockenimpfung «sein Leben aufs Ungewisse wage»; Kant war mit guten Gründen skeptisch in Bezug auf die Pockenimpfung.

Die Pflicht, anderen Menschen zu helfen, ist eine weite Pflicht, sie lässt immer Spielraum. Ob sie etwa bei der Pocken- oder Corona-Impfung greift, hängt von den Umständen ab, eben auch von dem, was man weiss.

Ganz bestimmt aber darf eine weite Pflicht nicht erfüllt werden, wenn damit eine enge Pflicht verletzt wird.

85 5

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2022 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.