03. Dezember 2021
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Henryk M. Broder

Was, wenn in Wuppertal kein Wind weht? Eine Energie-Ampel zeigt rot und die Kunden sollen weniger Strom verbrauchen. Ist es so einfach?

Ich war noch nie in Wuppertal, der Hauptstadt der Region «Bergisches Land» im Westen der Bundesrepublik, unweit der deutsch-holländischen Grenze.

Alles, was ich über Wuppertal weiss, ist dies: Hier kam 1869 Else Lasker-Schüler zur Welt, im Stadtteil Elberfeld, und hier verkehrt seit dem Jahre 1901 eine «Schwebebahn» auf einer 13 Kilometer langen Strecke zwischen den Endstationen Oberbarmen und Vohwinkel. Sie heisst deswegen «Schwebebahn», weil sie, dem Lauf der Wupper folgend, in acht bis 12 Meter Höhe an einem Stahlträger über dem Fluss «schwebt».

Seit kurzem weiss ich ausserdem, dass Wuppertal einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leistet. In einer Mail an die Kunden der Wuppertaler Stadtwerke heisst es, «Sonne und Wind» lieferten jetzt schon «ein Drittel unseres Stroms», allerdings «liefern sie naturgemäss mal mehr, mal weniger Strom».

Das habe ich schon lange vermutet, jetzt ist es amtlich.

Wenn die Sonne nicht scheint, zum Beispiel nachts, oder kein Wind weht, kommt weniger Strom aus der Steckdose, und demnächst, wenn fossile Energiequellen wie Kohle und Gas nicht mehr zur Verfügung stehen, gar keiner.

«Wäre es da nicht besser», fragen die Stadtwerke ihre Kunden, «den Strom immer dann zu verbrauchen, wenn viel davon da ist?»

Aber gewiss doch!

Nur, wie erfahren die Kunden, wann viel Strom ist?

Mit Hilfe einer «Ampel» auf der Homepage der Wuppertaler Stadtwerke: Grün bedeutet, «viel Strom aus erneuerbaren Energien verfügbar», jetzt könne man – und Frau – «klimaschonend waschen, spülen und trocknen!» Gelb signalisiert, «durchschnittlich viel Strom aus erneuerbaren Energien verfügbar», alles, was Strom braucht, sollte man «nur laufen lassen, wenn unbedingt nötig». Bei Rot droht ein GAU. Es ist «kaum Strom aus erneuerbaren Energien verfügbar», die Stadtwerke raten: «Stromverbraucher möglichst nicht einschalten».

Letzten Mittwoch zeigte die Ampel nur gelbe und rote Phasen, je nach Tageszeit. Aber am Freitag soll es wieder grüne Slots geben. Damit die Wuppertaler klimaschonend waschen, spülen, trocknen, Kaffee kochen können – und mit der Schwebebahn fahren.

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4 Kommentare zu “Was, wenn in Wuppertal kein Wind weht? Eine Energie-Ampel zeigt rot und die Kunden sollen weniger Strom verbrauchen. Ist es so einfach?”

  • Waldi Wick sagt:

    Herrlich AntonHofnarr, herrlich!!

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  • HP-Klaus sagt:

    Übrigens: Wuppertal liegt ziemlich direkt neben dem Neandertal, die Strahl_Kraft ist wohl noch vorhanden.

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  • Der Michel sagt:

    Mal ein ganz ketzerischer Gedanke: Wie wäre es, den Strom während der "grünen Phasen" billiger anzubieten? Zumindest für diejenigen, nicht aus purem Altruismus, Naturverbundenheit und wegen der sozialen Verantwortung, sondern auch - wie verkommen! - aus Eigeninteresse handeln, wäre das doch ein echter Anreiz!

    Wie, geht nicht? Hallo - Digitalisierung? Ach so, nicht im besten Deutschland, das wir je hatten. Klar. Wir pumpen die Bytes noch von Hand durch die Leitungen.

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  • AntonHofnarr sagt:

    Ein weiteres Diktat und somit eine weitere Einschränkung individueller Freiheitsrechte des Einzelnen. Schaut man auf die kommunale Mandatsverteilung, sieht man, SPD, "grüne" und linke verfügen über mehr als 50 %. OB ebenfalls ein "grüner". Liebe Wuppertaler, seht nur fleißig auf die Ampel eurer Stadtwerk-Homepage. Vielleicht geht euch dann ein Licht auf. Eventuell ist aber gar kein Strom da und ihr könnt euren Rechner erst gar nicht einschalten. Alles Gute dann beim Weg zurück in die Steinzeit.

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