01. November 2021
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Matthias Rüb

Auf dem Petersplatz entreissen Vatikan-Polizisten einem Exil-Kubaner seine National-Flagge. Die Szenen erinnern ans kommunistische Havanna

Zum Angelus-Gebet des Papstes am 24. Oktober machten sich auch einige Dutzend Exil-Kubaner auf den Weg zum Petersplatz.

Sie trugen weisse Kleidung – auf Kuba das Zeichen des Protests gegen die Inhaftierung unschuldiger Dissidenten.

Mit Daumen und Zeigefinger formten sie zudem das L-Zeichen – für libertad, Freiheit.

Die Kubaner wurden von der Gendarmerie des Vatikans aber gar nicht erst auf den Petersplatz gelassen. Begründung: Dort seien politische Kundgebungen grundsätzlich nicht erlaubt.

Der Exil-Kubaner Felipe Fundora, der seit 16 Jahren in Dresden lebt, gelangte dennoch auf den Petersplatz, weil er bei der Einlasskontrolle wahrheitsgemäss gesagt hatte, er komme aus Deutschland.

Als er auf Knien die kubanische Flagge entrollte und in die Höhe hob, während der Papst auf dem Balkon sein Gebet sprach, kamen Vatikan-Gendarmen und entrissen ihm seine Flagge.

Leute ringsum mit spanischen, peruanischen und honduranischen Flaggen wurden nicht behelligt.

«Ich habe mich wie in Kuba gefühlt», sagte die in Rom lebende Exil-Kubanerin Amor de Grecia Rodriguez nach dem Vorfall.

Was hat man im Vatikan gegen die kubanische Flagge auf dem Petersplatz?

Für den 15. November hat die Opposition zu einer Demonstration in Havanna aufgerufen, die vom kommunistischen Regime natürlich verboten wurde.

Fürchtet man im Vatikan, von Havanna als Aufwiegler angeprangert zu werden, wenn man Exil-Kubaner mit ihren Flaggen auf den Petersplatz lässt? Oder gibt es einen tieferen Grund?

In einem Interview mit dem italienischen Journalisten Eugenio Scalfari vom November 2016 antwortete Papst Franziskus auf die Frage, ob er angesichts der vom Kapitalismus angerichteten Verheerungen für die Menschen und die Umwelt eine «Gesellschaft nach marxistischem Modell» für erstrebenswert halte, wie folgt: «Es sind die Kommunisten, die wie die Christen denken.»

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