07. Januar 2022
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Jürg Altwegg

Emmanuel Macron will das gespaltene Land versöhnen – auf Kosten der Ungeimpften, von denen er sagt, sie seien keine «Bürger» mehr

Plötzlich poltert und provoziert er wie Donald Trump. Nun will Emmanuel Macron das gespaltene Land versöhnen – auf Kosten der Ungeimpften, von denen er sagt, sie seien keine «Bürger» mehr.

Er hat das Poltern und Provozieren offensichtlich bei Trump gelernt. «Grosse Lust» habe er darauf, die Ungeimpften zu belästigen – «emmerder», sagte er. Dreimal verwendete Emmanuel Macron diesen Begriff im Gespräch mit Lesern der Boulevardzeitung Le Parisien.

Es kommt von Scheisse, «merde».

Belästigen will er die Impfgegner, ihnen das Leben unerträglich machen. Denn sie sind für alle Einschränkungen verantwortlich, unter denen die vernunftbegabten und einsichtigen Franzosen zu leiden haben: die überlasteten Spitäler, die ausfallenden Züge und Flüge, das Chaos in den Schulen, die Polizeikontrollen in den Bars und Restaurants, die Engpässe in den Versorgungsketten und das stundenlange Warten vor jedem Test.

Das alles will er ihnen heimzahlen. Es war kein Versprecher.

Und sehr wohl überlegt war auch seine zweite Aussage: Den Ungeimpften, den «Unverantwortlichen» spricht der Präsident die Berechtigung ab, «Bürger» der von ihm regierten Republik zu sein.

Es ist Wahlkampf. «Grosse Lust», sagte Macron auch noch, habe er, im Amt zu bleiben. Seit langem schon ist seine Impfpolitik auf seinen Machterhalt angelegt.

Er setzt auf eine «Mehrheit der Vernunft». Das ist im Zeitalter der Verschwörungstheorien kein schlechter Ansatz. Auf dieses Niveau wird sich der «Président-Philosophe» nicht begeben. Doch mit seinem Halali auf die Ungeimpften zielt er noch um einiges tiefer.

Macron betreibt eine Sündenbock-Politik der Ausschliessung von Minderheiten, wie man sie den Populisten von Trump bis Orban unterstellt.

Macron zeigt: Auch mit der Vernunft der Aufgeklärten und Eliten kann man manipulieren – wahrscheinlich noch effizienter als mit Fake News.

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4 Kommentare zu “Emmanuel Macron will das gespaltene Land versöhnen – auf Kosten der Ungeimpften, von denen er sagt, sie seien keine «Bürger» mehr”

  • Janosh sagt:

    Emanuel Macron, der selbsternannte 'Jupiter' im Elysée hat ausgedient. Seine Felle schwimmen die Seine runter. Er verhöhnt und beschimpft sein eigenes Volk. Die Stimmbürger werden es ihm heimzahlen!

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  • onckel fritz sagt:

    Wenn das Herrchen Makrönchen Ungeimpfte nicht mehr als Bürger des Staates ansieht, müssen diese sich denn noch an die Verordnungen dieses Staates halten oder kann dieser Staat sie ganz gepflegt und kreuzweise ...?

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  • AntonHofnarr sagt:

    Grundsätzlich erwarte ich von einem Staatsoberhaupt (wie auch von jedem anderen in der Öffentlichkeit Stehenden) ein doch etwas gehobeneres Sprachniveau. Einfache Menschen (wie ich, die so gut wie keiner kennt) können da schon eher mal in den unteren Schubladen herumkramen. Monsieur Macron, ich mache Ihnen einen Vorschlag: ersetzen Sie doch einfach den Begriff "Ungeimpfte" durch "Asylbewerber", dann werden Sie in mir einen hundertprozentigen Befürworter finden.

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    • Waldi Wick sagt:

      Danke AntonHofnarr. So spannen wir zusammen. Aber eben, in einem Wahlkampf kennt man heutzutage leider keinen Anstand mehr. Nur das Gewähltwerden zählt. Dafür braucht's auch keinen guten Charakter ...

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