16. November 2021
Florian Schwab

Steuerzahler Elon Musk: Der Tesla-Chef führt ein raffiniertes Theater-Stück auf mit seinen Tesla-Aktien

Im Theater wird manchmal das Publikum zum Akteur gemacht. Ein ähnliches Stück als Regisseur und Haupt-Darsteller führt gerade der Tech-Milliardär Elon Musk auf, Gründer und Grossaktionär von Tesla und SpaceX.

Auf Twitter liess er vor einer Woche das Publikum darüber abstimmen, ob er 10 Prozent seiner Tesla-Aktien verkaufen solle, also Papiere im Wert von 20 Milliarden US-Dollar.

Gekonnt setzte Musk die Twitter-Frage in den Kontext der aktuellen Steuer-Debatte um Milliardäre, die kein Einkommen versteuern: «In letzter Zeit sind unrealisierte Kapital-Gewinne als Mittel der Steuer-Vermeidung ein grosses Thema. Also schlage ich vor, 10 Prozent meiner Tesla-Aktien zu verkaufen. Unterstützt du das?»

58 Prozent des Publikums sagte Ja und umgehend ging es an die Umsetzung: Letzte Woche verkaufte Musk rund einen Drittel der 10 Prozent.

Als Musk, der reichste Mann der Welt, seine Umfrage startete, sass er auf Tesla- und SpaceX-Aktien im Wert von über 300 Milliarden Dollar. Viele davon stammen aus den Anfängen der beiden Unternehmen und ihr Wert hat sich seither mehrmals verhundertfacht.

Selbst nach den unbescheidenen Massstäben des Elon Musk war die Twitter-Umfrage exzentrisch. Doch es spricht einiges dafür, dass er noch anderes im Sinn hatte, als dem US-Steueramt eine Freude zu bereiten.

Erstens hätte er sowieso spätestens nächstes Jahr sehr viele Tesla-Aktien verkaufen müssen. Hintergrund ist, dass im August ein grosses im Jahr 2012 an Musk ausbezahltes Optionen-Paket verfällt, das Musk die Möglichkeit einräumt, Aktien zum damaligen Preis von etwas über sechs Dollar zu erwerben (Wert heute: über 1000 Dollar). Den Unterschied zwischen Marktpreis und Ausübungspreis der Option muss er versteuern. Elon Musk braucht dafür ohnehin bald zwischen 10 und 15 Milliarden. Wenn man seine eigene Zwangslage als gesellschaftliche Wohltat verkaufen kann: Warum nicht?

Zweitens wird vermutlich im nächsten Jahr der Steuersatz auf realisierte Kapitalgewinne in den USA um acht Prozent angehoben. Rasches Handeln empfahl sich also schon aus Perspektiven der Steueroptimierung. Steuerlich wäre Musk auf absehbare Zeit beim Verkauf wohl nie mehr günstiger davongekommen.

Und drittens, eine besonders subtile Pointe in Musks Wall-Street-Drama, schickte Musk mit seiner in allen Medien vermeldeten Umfrage den Tesla-Kurs zeitweilig um über 10 Prozent nach unten. Dadurch verringern sich seine realisierten Kapitalgewinne und damit auch seine Steuerlast.

Mit plötzlicher Liebe zum Steueramt hat das Ganze also wohl wenig zu tun. Eher im Gegenteil. Aber die Show war trotzdem gut.

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1 Kommentar zu “Steuerzahler Elon Musk: Der Tesla-Chef führt ein raffiniertes Theater-Stück auf mit seinen Tesla-Aktien”

  • Joerg Sulimma sagt:

    Bei allem, was man an Elon Musk zu Recht kritisieren kann, er ist Unternehmer. Und damit ist er auch berechtigt, bei einem solchen Schritt Steuern zu optimieren und diese Entscheidung im Rahmen geltenden Rechts so umzusetzen, wie es für ihn und sein Unternehmen finanziell und auch in der Außenwirkung am günstigsten ist. Geld fließt trotzdem. Und ohne solche Maßnahmen hätten er wie auch viele andere erfolgreiche Unternehmer weit weniger schaffen können, als sie das getan haben. Er hat hier Recht!

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