11. Januar 2022
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Wolfgang Koydl

Staatstreue Gegendemos gegen Corona-Spaziergänger – oder Demokratie auf deutsch: Minderheiten haben nichts zu sagen

Mal sind es ein paar Hundert, mal Zehntausende, und täglich kommt eine neue Stadt hinzu: Zuletzt waren es 1500 Gemeinden, in denen Menschen für ihre Freiheitsrechte auf die Strasse gingen.

Es werden immer mehr. Doch die Mehrheit sind sie nicht.

Darf man sie deshalb ignorieren, ausgrenzen, beschimpfen, bedrohen und einschüchtern?

Offenbar schon. So funktioniert die Demokratie im besten Deutschland aller Zeiten.

Minderheiten haben nichts zu sagen. Sie müssen kuschen.

Doch weil der Protest anschwillt, wird der Widerstand organisiert: Parteien, Verbände, Gewerkschaften rufen zu Gegendemos gegen «Schwurbler», «Querdenker» und andere «Rechtsextreme» auf.

Die Begründung: Wir sind die Mehrheit.

Natürlich entscheidet in einer Demokratie die Mehrheit, aber sie hört Argumente der Minderheit an und baut sie nach Möglichkeit in den Entscheid ein.

Minderheiten mundtot zu machen, ist eine bolschewistische Methode. Wer die Mehrheit hat, hat recht.

Der Name ist übrigens schon das ganze Programm. Der Bolschewik kommt vom russischen Wort «bolsche» – und das heisst schlicht «mehr».

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11 Kommentare zu “Staatstreue Gegendemos gegen Corona-Spaziergänger – oder Demokratie auf deutsch: Minderheiten haben nichts zu sagen”

  • onckel fritz sagt:

    Bereits die Gnade, arbeiten „zu dürfen“, muss man sich mit Testen oder Impfen „verdienen“; Widerstand dagegen muss man sich leisten können. Angesichts dieser Erpressung dann seitens Politik und MSM zu behaupten, die Mehrheit würde die Coronapolitik befürworten, ist einfach verlogen.

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  • Ulrich J. sagt:

    Guten Morgen, Herr Koydl. Mit dem Ursprung des Wortes „Bolschewiki“ haben Sie wohl recht. Aber der Grund, warum die russischen Kommunisten sich so genannt haben, ist irreführend. Auf dem Parteitag, auf dem sie sich von den Sozialdemokraten abspalteten, waren sie nur deshalb die Mehrheit, weil Teile der Delegierten der Abstimmung fernblieben. So war es dann keine Abspaltung wie in Deutschland, sondern die eigentliche Minderheit schloss die Mehrheit aus.

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  • Joerg Sulimma sagt:

    Ich bin mir gar nicht sicher, daß es sich bei den kritisch zu den Freiheitsbeschränkungen eingestellten Bürgern um eine Minderheit handelt. Es geht nur eine Minderheit auf die Straße, auch weil dies in unserer heutigen Ausprägung von "Demokratie" zu persönlichen Folgen führen kann. Aber gerade die oft vollständig übertriebenen Reaktionen des Staates zeigen doch, daß man eigentlich weiß, gar nicht in der Mehrheit zu sein. Genau so funktionierte doch auch der reale Bolschewismus!

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    • Der Michel sagt:

      Kann sein oder auch nicht. Ich stimme Ihnen insofern zu als die "Mehrheit" vermutlich mal wieder den Hintern nicht hoch kriegt und manche auch Repressalien befürchten. (Henryk M. Broder hat das prima auf den Punkt gebracht.) Aber ich denke, "der Staat" handelt derzeit eher nach dem Prinzip "wehre den Anfängen" und versucht zu verhindern, dass aus der aktuellen Bewegung tatsächlich eine unzweifelhafte Mehrheit wird.

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  • Der Michel sagt:

    "Minderheiten haben nichts zu sagen. Sie müssen kuschen."

    Nicht ganz: Manche Minderheiten haben sehr viel zu sagen - z.B. die Grünen, die in der Regierung sitzen und den nichtgrünen Koalitionären mehr oder weniger diktieren, wie es zu laufen hat. Dabei wurden sie nur - ich weiß: immer noch *viel* zu viele - von 15% der Wähler, die den HIntern Ende Septemer hoch gekriegt haben, gewählt.

    Ansonsten aber Zustimmung; Meinungspluralismus ist verpönt im "besten Deutschland, das wir je hatten".

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  • Manuela1973 sagt:

    Vorweg: Ich bin gegen eine Impfpflicht und sehe auch Corona-Einschränkungen über Abstandregeln und Maskenpflicht hinaus in gewissen Bereichen skeptisch.
    Aber was schon etwas Komisches bis Lächerliches hat, ist die neue Liebe für laute Minderheiten auf weltwoche-daily.ch/weltwoche.de/achgut.com/tichyseinblick.de etc. Schauen wir mal, wie lange das neu entdeckte Herz für die in der Unterzahl hier tatsächlich schlägt, wenn es keine Anti-Coronomaßnahmen-Demos sind sondern eine Parade zum CSD.

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    • Propagandastaatsfunk sagt:

      @Manuela1973 genau diese CSD Demos werden doch seit Jahren gedulde, obwohl es eine Minderheit (divers) ist. Jetzt werden die Deutschen aber gezwungen Maßnahmen zu akzeptieren die seit 2 Jahren beweisen, dass sie nicht gebracht haben. Der Großteil der Bevölkerung ist geimpft und trotzdem explodieren die Zahlen, weil die "Impfung" ein Rohrkrepierer ist und anstatt von BIG-Pharma die Gelder für die Brühe zurück zu fordern, sollen sich die Bürger immer öfter mit der Genbrühe spritzen lassen.

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  • AntonHofnarr sagt:

    Sie haben leider so was von recht, lieber Herr Koydl. Wehe aber, wenn an irgendwelchen anderen Minderheiten, ich meine jene, welchen seitens der Berliner Regierungs-Diktatur ("BRD") buchstäbliche Biotope errichtet wurden, auch nur die geringste Kritik verübt wird, dann darf/muß man sich vorhalten lassen, welcher ewig gestrigen Natur man zuzuordnen sei.

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  • Resistencia sagt:

    Wie verkommen die Polizeidiktatur mit ausgeschalteter Justiz ist zeigt sich ja insbesondere bei der Unterdrückung jeglicher Proteste, wo die Polizei kriminell agiert um dann auf der Gegenseite irgendwelche
    Willkürdelikte zu ahnden. Meiner Beobachtung nach werden die Proteste nirgends derart repressiv ja geradezu kriminell unterdrückt. Aber dann zeitgleich, ja wahnwitzig, mit den unmoralischen Finger nach Kasachstan zeigen!

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