04. Oktober 2021
Birgit Kelle

George Floyd-Denkmal: Es ist eine Schande, dass der Verbrecher neben einer echten Bürgerrechtslegende stehen darf

Dem zweifelhaften Ruhm des schwarzen Amerikaners George Floyd, dessen Tod bei seiner Verhaftung vor anderthalb Jahren zu den grössten weltweiten Anti-Rassismus-Protesten der Black-Life-Matter-Bewegung wurde, scheint keine Grenzen gesetzt.

Der vielfach vorbestrafte Drogendealer und Gewaltverbrecher ist in goldener Skulpturform an der Seite der Figuren von Breonna Tyler und John Lewis in Manhattan aufgestellt worden.

Der Künstler Chris Carnabuci will damit im Rahmen des Projektes „Seeinjustice“ zum Dialog aufrufen. Kunst schaffe einen Diskurs und wir könnten so vielleicht die Perspektive des anderen verstehen.

Eine Aufforderung, die man nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte. In Deutschland würde man angesichts des Dreigespanns Floyd-Tyler-Lewis fragen: Was passt angesichts ihrer Lebensläufe nicht in diese Reihe?

George Floyds Strafregister ist lang und ein Zeugnis von Drogen und brutaler Gewalt gegen Unschuldige, die ihn mehrfach ins Gefängnis brachte. Jetzt steht er als «Opfer von Rassismus» neben Breonna Tyler.

Die Frau starb offensichtlich tragisch als Unbeteiligte, als die Polizei ihren Lebensgefährten verhaften wollte und der Schusswechsel in der Wohnung sie tötete.

Und Floyd steht auch neben John Lewis, den man zurecht als amerikanische Bürgerrechtslegende bezeichnen kann: 1963 war er mit nur 23 Jahren der jüngste Redner auf dem «March of Washington» den er mit Martin Luther King organisiert hatte. Er kämpfte als Vorsitzender des «Student Nonviolent Coordinating Committee» explizit gewaltlos für die Rechte der Schwarzen, dafür verhaftete man ihn allein zwischen 19060 und 1966 über 40 Mal. Sein Kampf für die Rechte der Schwarzen hat den gewaltsamen Weg nie verlassen, er ging den demokratischen: 1986 gewann er einen Sitz im Repräsentantenhaus, wo er 33 Jahre lang seinen Distrikt in George vertrat. Er starb 2020 nicht durch Gewalt, sondern an Krebs.

Es ist eine Schande, dass dieser grosse Mann neben einen George Floyd gestellt wird.

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3 Kommentare zu “George Floyd-Denkmal: Es ist eine Schande, dass der Verbrecher neben einer echten Bürgerrechtslegende stehen darf”

  • onckel fritz sagt:

    „hat den gewaltsamen Weg nie verlassen“? Gemeint war sicher: „hat den gewalt-LOSEN Weg nie verlassen, hat immer gewaltlos gekämpft, nie Gewalt ausgeübt? Ansonsten volle Zustimmung zu Ihrem Beitrag. Zum wiederholt rückfälligen Straftäter, der hier zur antirassistischen Ikone hochgejazzt wird, wurde schon alles gesagt und geschrieben, man greift sich an den Kopf.

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  • AntonHofnarr sagt:

    Die Frage, die sich mir seit Beginn stellt, lautet: "Ist BLM rassistisch?" Warum heißt es bspw. nicht ALM (all lifes matter)? Mit der Bezeichnung BLM wird m.E. die "dunkelhäutige Rasse" (sorry, mir fällt keine andere Begriffsgebung ein) über andere gestellt. Vielleicht übersehe ich auch irgend was, aber ich finde keine logische Begründung, weshalb (im Umkehrschluß) Menschen mit anderer als black Hautfarbe grundsätzlich als nicht schützenswert eingestuft werden sollten.

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  • Fischkopp sagt:

    Als Schwarzer würde ich dieses groteske Schauspiel doch als unverschämte Demütigung empfinden. Was soll denn die Aussage des Ganzen sein? Dass die bekanntesten Schwarzen aufgrund ihres Opferdaseins im öffentlichen Interesse stehen?

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