15. Oktober 2021
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Hubert Mooser

Schweizer Bundesrätin knickt ein: Weil der Radsportverband Druck macht, nimmt die Schweiz 38 Menschen aus Afghanistan auf

Weil sie trotz Widerständen in ihrem Land Velofuhren betrieben, wurden die Mitglieder der afghanischen Radfahrerinnen-Mannschaft in den Medien fast wie Popstars abgefeiert. Vor fünf Jahren wollte man diese Damen sogar für den Friedensnobelpreis vorschlagen.

Jetzt hat die Schweiz einige von ihnen – inklusive Kinder und Ehemänner – aufgenommen. Insgesamt 38 Menschen sind es laut dem Staatssekretariat für Migration (SEM).

Das ist etwas schräg, weil es im August – nach der Evakuierung von 387 Personen aus Afghanistan – hiess, die Schweiz werde vorläufig keine Flüchtlinge mehr aus diesem Lande aufnehmen. Bei den damals Evakuierten handelte es sich ausschliesslich um lokale Angestellte der EDA-Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).

Doch wenn ein grosser internationaler Sportverband mit Sitz in der Schweiz Druck macht, geht die für Migration zuständige Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP) in die Knie.

So machte der Radsportverband UCI nach der Machtübernahme durch die Taliban im August eine akute Bedrohungslage für die Sportlerinnen geltend.

Das SEM teilte diese Einschätzung, worauf für diese Personen ein Laissez-passer im Hinblick auf ein mögliches Asylverfahren in der Schweiz ausgestellt wurde.

Velofahren als Asylgrund – das ist neu.

Fakt ist indessen, dass diese Frauen nicht erst seit den Taliban gefährdet sind.

Die privilegierte Aufnahme afghanischer Sportlerinnen samt Anhang, gibt aber noch aus einem anderen Grund zu denken: Nehmen wir als nächstes auch das afghanische Frauen-Fussballteam auf, wenn die FIFA mit Sitz in Zürich bei uns Druck macht?

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1 Kommentar zu “Schweizer Bundesrätin knickt ein: Weil der Radsportverband Druck macht, nimmt die Schweiz 38 Menschen aus Afghanistan auf”

  • Der Michel sagt:

    Gibt's nach der voraussichtlichen "Übernahme der Macht" durch RGG in Deutschland eigentlich ein Land, das konservativen, alten weißen Männer Asyl gewährt? Tipps und Hinweise werden gerne entgegen genommen!

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