06. Januar 2022
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Wolfgang Koydl

Spaziergang als verbotener Akt «stummer Meinungsäusserung». Klappe halten reicht also nicht, denn die Polizei weiss, was du denkst

Richtig sexy war die Region mit dem widersprüchlichen Namen Ostwestfalen nie, aber das heisst nicht, dass man sie unterschätzen sollte. Immerhin hat dort der Weltkonzern Bertelsmann seinen Sitz.

Man ist seiner Zeit voraus in der Emssandebene.

Das gilt auch für die Polizei. Sie erklärte einen Corona-Spaziergang für illegal – wegen «stummer Meinungsäusserung».

Dass Spaziergänge in Deutschland rechtlich riskant sind, weiss man inzwischen. Vermutlich wird Goethes Osterspaziergang demnächst in einen Ostermarsch umgedichtet.

Aber die «stumme Meinungsäusserung» hat Vorbild-Charakter – für Leute wie Alexander Lukaschenko, Kim Jong-un oder Xi Jinping. Und natürlich für die Polizei anderswo in Deutschland.

Da muss man erst mal draufkommen.

Gut, auf Nachfrage ruderten die Ostwestfalen zurück. Nicht stumm sei die Meinungsäusserung gewesen, sondern «nonverbal». Ach so.

«Die Gedanken sind frei», dichtete Hoffmann von Fallersleben, von dem auch der Text des Deutschlandliedes stammt: «Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschiessen.»

Denkste.

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6 Kommentare zu “Spaziergang als verbotener Akt «stummer Meinungsäusserung». Klappe halten reicht also nicht, denn die Polizei weiss, was du denkst”

  • onckel fritz sagt:

    Posse aus Adolph Glaßbrenners Zeiten. Berliner Marktweib zum Polizisten: „Ick sahre doch jar nüscht, Herr Kommsarjus!“ Polizist: „Halt Sie‘s Maul! Sie räsoniert inwendig.“ Wie weit sind wir gekommen?

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  • Propagandastaatsfunk sagt:

    Da sieht man was die "Volksvertreter" für eine Angst vorm Volk haben und diese schwarzen Söldner wird man nach Corona zur Verantwortung ziehen, wie mit den Mauerschützen am Ende der DDR.
    An die schwarzen Prügelknaben, das Ende kommt und vielleicht besprüht man Euch dann im Knast mal wöchentlich mit Pfefferspray, aber ins Gesicht, so wie Ihr es tut mit Wollust.

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  • Joerg Sulimma sagt:

    ...Der Himmel erhalte dich, wackres Volk,
    Er segne deine Saaten,
    Bewahre dich vor Krieg und Ruhm,
    Vor Helden und Heldentaten.

    Er schenke deinen Söhnen stets
    Ein sehr gelindes Examen,
    Und deine Töchter bringe er hübsch
    Unter die Haube – Amen!

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  • Joerg Sulimma sagt:

    Wie dichtete Heinrich Heine schon im "Wintermärchen":

    Ich habe sie immer so liebgehabt,
    Die lieben, guten Westfalen,
    Ein Volk, so fest, so sicher, so treu,
    Ganz ohne Gleißen und Prahlen.

    Wie standen sie prächtig auf der Mensur
    Mit ihren Löwenherzen!
    Es fielen so grade, so ehrlich gemeint,
    Die Quarten und die Terzen.

    Sie fechten gut, sie trinken gut,
    Und wenn sie die Hand dir reichen
    Zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie;
    Sind sentimentale Eichen.

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  • AntonHofnarr sagt:

    Diese PC+Corona-Diktatur. Sollen die machthabenden Schergen dieses Systems doch gleich auflisten, was man überhaupt noch sagen/tun darf. So viel kann es ja wohl nicht mehr sein. Alles nicht Aufgeführte ist dann automatisch verboten.

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  • Ulrich J. sagt:

    Déjà-vu in Sachen „Die Gedanken sind frei“: Ein DDR-Bürger murmelt auf der Straße vor sich hin: „Sch…ßstaat.“ Ein Volkspolizist hört das und stellt ihn wegen Staatsverunglimpfung zur Rede. Der Bürger antwortet: „Sie wissen doch garnicht, welchen Staat ich meine.“ Der Polizist nach kurzem Zögern: „Doch, sie verunglimpfen die DDR. Es gibt nur einen Sch…ßstaat.“

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