12. November 2021
Christoph Grenacher

Sammlung Bührle: Gratian Anda sollte die Bilder seines Grossvaters im Zürcher Kunsthaus abhängen und sie im Hotel «Storchen» zeigen

Monets «Seerosenteich» oder das «Mohnblumenfeld» bei Vétheuil, van Goghs «Sämann bei untergehender Sonne» oder Cézannes Stilleben «Blumen und Früchte» – es sind Bilder die trunken machen vor Schönheit, Werke von höchstem künstlerischen Wert und Zeitzeugen des Impressionismus. Gemalte Geschichte eben – und erst noch live in Zürich zu erleben.

Die vor einem Monat im Erweiterungsbau des Kunsthauses eröffnete Sammlung Bührle war auch schon immer Gegenstand hitzigster Diskussionen: Darf ein Museum, darf also ein von der Öffentlichkeit finanzierter Ort Kunstwerke zeigen, die einst von den Nazis in Frankreich geklaut und danach in den Kunstmarkt gelangten?

Nachdem die Historiker-Zunft um Georg Kreis und Jakob Tanner erneut die Alarm-Trommel schlägt und dem einfachen Kunst-Liebhaber die Freude vergällt, fällt jetzt auch die Zürcher Stadtpräsidentin auf die moralinsaueren Rattenfänger rein: Man müsse, sagt Corinne Mauch, die Sache nochmals klären und erwarte zudem, dass die Forschungs-Ergebnisse Publikums-gerecht vermittelt und der Dokumentations-Raum zur Sammlung Bührle «weiterentwickelt» werde. Man werde dieser Forderung ans Kunsthaus bei den Verhandlungen um einen neuen Subventionsvertrag Nachdruck verleihen.

So also stellt sich die Politik den Freiraum der Kunst vor: Diszipliniert von der classe politique.

Wäre ich Gratian Anda, dann würde ich die Sammlung des Grossvaters im Kunsthaus stracks abhängen. Und sie im Hotel «Storchen» zeigen – so wie das einst Gustav Zumsteg in der «Kronenhalle» vormachte.

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1 Kommentar zu “Sammlung Bührle: Gratian Anda sollte die Bilder seines Grossvaters im Zürcher Kunsthaus abhängen und sie im Hotel «Storchen» zeigen”

  • Joerg Sulimma sagt:

    Niemand von uns, die wir Kunst wirklich lieben, braucht einen Dokumentationsraum, in dem politische und pseudowissenschaftliche Besserwisser erklären, wie wir diese Kunst zu verstehen und was wir beim Betrachten dieser Bilder historisch zu berücksichtigen haben. Monet, van Gogh, Cézanne und die anderen Impressionisten können nichts dafür, daß sie von den Nazis geraubt wurden. Außer vielleicht, daß sie so unvergleich schöne und aufregende Bilder gemalt haben...der "Storchen" ist eine gute Wahl!

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