12. November 2021
Henryk M. Broder

Tausende afghanische Ortskräfte, die für Deutschland gearbeitet haben, warten noch immer darauf, vor den Taliban gerettet zu werden – und Heiko Maas schaut zu

Wie die ARD-«tagesschau» meldet, hat ein Afghane, der für die in Masar-e-Sharif stationierten Bundeswehr-Einheiten jahrelang als Fluglotse tätig war, die Bundesrepublik verklagt, weil diese ein ihm gegebenes Versprechen nicht eingehalten hat: Ihn und seine Familie notfalls auszufliegen.

Auch zehn Wochen nach dem chaotischen Abzug der Deutschen aus Kabul hofft er auf ein Zeichen aus Berlin, dass er nicht vergessen wurde, bis jetzt vergeblich.

Der Mann und seine Familie müssen sich verstecken; würden sie den Taliban in die Hände fallen, wäre ihr Leben nicht nur bedroht, sondern verwirkt. Für Kollaborateure gibt es keine Milde.

Wir erinnern uns: Ende August gab die Bundeswehr bekannt, sie habe im Rahmen einer Luftbrücke 5347 Menschen in Sicherheit gebracht, unter ihnen 138 sogenannte Ortskräfte mit 496 Angehörigen, zusammen also 634 Afghanen mit einem «deutschen Ortskräftebezug».

Zugleich gab Aussenminister Heiko Maas bekannt, es gebe noch «zehntausende Ortskräfte inklusive ihrer Familien», die darauf warten würden, ausgeflogen zu werden. Er werde, so Maas, solange weiterarbeiten, «bis alle in Sicherheit seien».

Danach sieht es im Moment nicht aus.

Der Grund ist ebenso banal wie brutal: Die afghanischen Lotsen wurden zwar vom deutschen Verteidigungsministerium eingestellt und bezahlt, allerdings auf der Grundlage sogenannter «Werkverträge».

Daraus folgt: «Diese Verträge fallen nicht unter die Regelungen nach dem sogenannten Ortskräfteverfahren.» Eine «Aufnahmezusage für die Einreise nach Deutschland» könne aber nur «nach diesem Verfahren erfolgen».

Das klingt lustig, ist es aber nicht.

Die deutsche Bürokratie läuft Amok: Für die «Ortskräfte», die derzeit in Mali, im Irak oder im Südsudan als Fahrer, Übersetzer oder Köche arbeiten, bedeutet das: Für den Fall, dass sich die deutschen Freunde und Helfer aus dem Staub machen, sollten sie schon mal über einen Plan B nachdenken.

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