23. November 2021
Rainer Zitelmann

«Nussknacker» in Berlin abgesetzt: Sogar Nordkorea könnte vom deutschen Staatsballett noch etwas lernen

Der Nussknacker von Tschaikowski wurde 1892 uraufgeführt und ist bis heute eines der populärsten Ballette überhaupt.

Aber das Staatsballett Berlin zeigt dieses Jahr seinen grössten Publikumsrenner nicht. Der 1,5 Millionen Euro teure «Nussknacker» der russischen Choreografen Vasily Medvedev und Yuri Burlaka von 2013 bleibt im Depot. Die kommissarische Staatsballett-Chefin Christiane Theobald erklärte in der Berliner Zeitung den Grund:

«Wir müssen alles neu bewerten.» Das ganze Stück gehe nicht, denn es verstosse in allen möglichen Teilen gegen politische Korrektheit:

  1. Der chinesische Tanz zeige «Stereotypen mit kleinen Trippelschrittchen»
  2. Der orientalische Tanz mit den Haremsdamen ist politisch nicht korrekt
  3. Und dann gibt es noch einen «Solisten mit brauner Körperschminke»

Theobald erklärt: «Das sind Dinge, die man so heute nicht mehr unbesprochen auf die Bühne stellen kann.»

Das Absurdeste ist jedoch, dass sie hinzufügt: «Ich bin nicht für Cancel Culture, im Gegenteil, ich denke als grosses Ensemble haben wir sogar die Verpflichtung, das grosse Ballett-Repertoire zu zeigen.»

Nein, nein das Stück wird nicht abgesetzt. Es muss nur vor der Aufführung noch zensiert werden!

Das ist dann wohl keine Cancel Culture.

Ich meine: Da könnten selbst die Nordkoreaner noch was lernen.

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2 Kommentare zu “«Nussknacker» in Berlin abgesetzt: Sogar Nordkorea könnte vom deutschen Staatsballett noch etwas lernen”

  • Propagandastaatsfunk sagt:

    @AntonH volle Zustimmung zu Ihren Worten, es zeigt aber in welcher verblödeten Welt wir leben. Im Frühjahr diesen Jahres habe ich auf Twitter gelesen, dass eine junge Frau ihrem Kind Janosch nicht mehr vorlesen kann, weil das Vergewaltigung der Holzente ist.(? )Da über 70 % der Bürger diesen ganzen Schwachsinn akzeptieren oder schweigen, werden diese Faschisten unser Land in die dritte Diktatur stürzen.

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  • AntonHofnarr sagt:

    Da bleibt nur die Empfehlung, dieses wundervolle Stück als DVD, Blu-Ray etc. aus einer Zeit, die noch als halbwegs normal bezeichnet werden kann, in seiner persönlichen Videothek zu hinterlegen ... sofern man das nicht schon hat, bzw. so lange das noch möglich ist (Index!). Für mich ein zusätzlicher Grund - neben diesem Maskenzwang - keine öffentlichen Aufführungen mehr zu besuchen, so lange diesem verdammten "political correctness"-Irrsinn kein Einhalt geboten wird.

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