06. September 2021
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René Hildbrand

Moderator Markus Lanz ist es zu Kopf gestiegen. Sein liebster Gast ist er selber

Vor dreizehn Jahren als seichte Talkshow gestartet, hatte sich die ZDF-Sendung «Markus Lanz» zu einem belangvollen politischen Diskussions-Format entwickelt.

Schade nur, dass sich der Gesprächsleiter inzwischen zu wichtig nimmt. Er ist zu seinem eigenen Lieblingsgast geworden und parliert, als sässe er am Kabinettstisch.

Lanz hat das Zuhören verlernt. Der frühere RTL-Moderator ist mittlerweile zu einem Wadenbeisser abgerutscht. Ganz vorne auf der Stuhlkante sitzend grätscht er Politikern dazwischen und versucht des Öfteren, diese vorzuführen. 

Sie sollen in seiner Sendung etwa für Entscheidungen oder Äusserungen geradestehen,

die andere aus ihrer Partei verbrochen oder verbockt haben. Der Gesprächsleiter mag Vorwürfe und Unterstellungen.

Gefallen dem (umfragehörigen) Talker Antworten von Gästen nicht, kontert er gerne: «Das war nicht meine Frage.» Oder noch häufiger: «Das ist etwas anderes.»

Wagt ein Politiker eine steile These, blufft Lanz gerne mal: «Das hören jetzt Millionen von Zuschauern.» Masslos übertrieben: Sein «Klug-TV» erreicht im besten Fall gerade mal zwei Millionen Zuschauer. Wohlgemerkt: in Deutschland gibt es über 70 Millionen Erwachsene.

Verschiedene Spitzenpolitiker machen es so: sie gehen nicht oder nicht mehr zu Lanz. Er kann nur über, aber nicht mit ihnen reden. 

Zwei Beispiele allein aus der letzten Woche: Der Moderator beklagte sich bei seinem Gast Michael Kellner, Geschäftsführer der Grünen, dass Annalena Baerbock trotz wöchentlichen Einladungen seit über einem Jahr nicht mehr in seine Sendung kommt. 

Auch Wolfgang Lindner mag nicht hingehen. Dafür sass der FDP-Chef am Donnerstag direkt vor «Markus Lanz» einmal mehr und gut aufgelegt in der Talkshow von Maybrit Illner.

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