12. Januar 2022
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Ralf Schuler

Regenten in aller Welt können ein Lied davon singen: Immer wieder stört das Volk beim Regieren – wie jetzt bei Michael Kretschmer (CDU)

Regenten in aller Welt können ein Lied davon singen: Immer wieder stört das Volk beim Regieren.

Dieser Tage erst musste sich der kasachische Präsident Tokajew (68) mit Leuten rumärgern, die die Spritpreise zu hoch und Diktatur blöd fanden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) hinwiederum wird derzeit von aggressiven Spaziergängern belästigt, die seine Corona-Politik nicht mögen.

Da hört der Spass aber auf, sagte Kretschmer der FAZ. «Ich hätte Verständnis dafür, wenn die Menschen auf die Strasse gehen würden und riefen: ‘Wir brauchen mehr Impfstoff! Wir brauchen mehr Medikamente!’ Das wäre ein Grund. Gegen Schutzmassnahmen zu sein, die Menschenleben retten, ist keiner.»

So! Weisste Bescheid, Schätzelein!

Man muss die Kirche doch auch mal im Dorf lassen. Da ist endlich mal ein Regierungschef, der den korrekten Konjunktiv von «rufen» beherrscht (der Durchschnitts-MP hätte «rufen würden» gesagt), und dann demonstrieren die Leute einfach wofür und wogegen sie wollen.

Und weil man in diesem Land offenbar alles alleine machen muss – Seufz! –, sagt Kretschmer seinen Sachsen gleich mal, was auf Spruchbannern und Plakaten für eine ordentliche und akzeptable Demo zu stehen hat.

Meinungsfreiheit ist schliesslich kein Freibrief zum drauf los meinen. Hat alles seine Grenzen. Und wenn das nicht klappt, geht’s ab ins Bett. Aber ohne Abendbrot.

Ist doch wahr!

Ralf Schuler ist Leiter der Parlamentsredaktion von BILD.
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7 Kommentare zu “Regenten in aller Welt können ein Lied davon singen: Immer wieder stört das Volk beim Regieren – wie jetzt bei Michael Kretschmer (CDU)”

  • onckel fritz sagt:

    Herr Kretschmer wurde 1975 geboren, war zur Wende also gerade 14. Als Junger Pionier durfte er noch die großen Jubeldemonstrationen zum 1. Mai mit vom Staat vorgegebenen Losungen erleben. Solche Kindheitserlebnisse prägen. Wer schenkt dem Jungen denn mal ein blaues und ein rotes Pionierhalstuch? Vielleicht hat Uwe Steimle ja noch ‚nen Pionierkalender übrig?

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  • Emmnue sagt:

    Ich wünsche mir, die Bild würde zu ihrem alten Format zurückfinden und sich festbeißen, wie unter Julian Reichelt. Dann hätten die Regierenden keine Wahl mehr, als den Souverän wieder aus der Geiselhaft zu entlassen. Es ist mehr als enttäuschend, wie die Bild sich in die staatstreuen Medien eingereiht haben. Das laue Fünkchen, das von Journalisten, jenseits des Winds, gemacht wird, nutzt gar nichts.

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  • Der Michel sagt:

    Ernstgemeinte Frage zur Verwendung des Konjunktivs: Wenn schon "riefen" statt "rufen würden" (was stimmt), dann doch konsequenterweise auch "gingen" statt "gehen würden"? OK - hat jetzt nichts mit Politik zu tun...

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  • AntonHofnarr sagt:

    Schon interessant, welche Art von Demokratieverständnis all die Machthabenden hier im Land dem Einzelnen aufbürden möchten. Nur blöd, wenn das nicht immer so klappt und sich viele immer noch den Luxus eigener Gedanken leisten.

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  • Oskar sagt:

    In Dresden wurde ein Verfahren gegen Demonstranten wegen "Verunglimpfung des Staates" eröffnet. Die erdreisteten sich doch tatsächlich, Deutschlandflaggen mit Bananensymbolen zu schwenken. Dass der Staat sowas nicht tolerieren kann, hätte den Demonstranten eigentlich klar sein müssen. Schliesslich war das schon bei Honecker so.

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  • Resistencia sagt:

    Wie tief dieses Land gesunken ist, wird durch die faschistischen Ergüsse dieses Westentaschendiktator nur noch verdeutlicht. Vor 20 Jahren wäre der zwangseingeliefert worden, heute applaudiert der Mainstream noch!

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