05. Oktober 2021
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Matthias Rüb

Macron und Draghi befürworten die Schulden- und die Sozial-Union. Die «sparsamen» EU-Staaten halten dagegen. Die «Inflations-Union» ist dafür bereits Realität

Viel wird derzeit darüber spekuliert, wo sich in der Zeit nach Angela Merkel ein neues Gravitationszentrum der EU bilden werde.

Schon wird das Tandem «Dracron» genannt: Italiens Ministerpräsident Mario Draghi und der französische Präsident Emmanuel Macron verstehen sich.

Gemeinsam wollen sie zum Beispiel den Abschied von den als obsolet bezeichneten Kriterien des EU-Stabilitäts- und Wachstumspakts erreichen. Der wurde ja auch schon vor fast einem Vierteljahrhundert beschlossen, damals in Maastricht.

Die Staatsschuld sollte nicht höher als 60 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung betragen, das Haushaltsdefizit bei maximal drei Prozent liegen. Das schafft kaum ein Euro-Staat. Die Teuerung sollte jeweils höchstens 1,5 Prozentpunkte höher sein als die Inflationsrate des preisstabilsten Euro-Staates.

Als letzte der Maastrichter «Leitplanken» wird derzeit das Teuerungsziel komplett pulverisiert: In Frankreich ist die Inflationsrate so hoch wie seit zehn Jahren nicht, in Italien liegt sie auf einem Neunjahreshoch, in Deutschland erreicht sie den höchsten Stand seit 18 Jahren.

Die Spanne zwischen der niedrigsten Inflationsrate (Malta mit 0,7 Prozent) und der höchsten (Estland mit 6,4 Prozent) in der Eurozone hat mit 5,7 Prozentpunkten fast das Vierfache der Maastrichter Zielvorgabe erreicht.

Das neue südeuropäische Powercouple «Dracron» will die Schulden- und Sozialunion in der Eurozone. Dem haben sich die «Sparsamen» aus dem Norden und auch aus Berlin bisher widersetzt.

Der neuen «Inflationsunion» der Gemeinschaftswährung sind die Südländer wie die Nordlichter mit fliegenden Fahnen allesamt beigetreten.

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