22. September 2021
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Ralf Schuler

Von «Lust auf Zukunft» ist im Wahlkampf oft die Rede. Den meisten wäre allerdings schon geholfen, wenn Strassen und Brücken repariert würden

Dorothee Bär (CSU), die Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, hat «Lust auf Zukunft», wie sie neulich sagte.

Das ist sehr verdienstvoll, schliesslich kommt die Zukunft ja nicht von allein, wenn man sich nicht kümmert. Wie oft steckte man schon in der Gegenwart fest, weil man sich in der Vergangenheit nicht für die Zukunft ins Zeug gelegt hat?

Überhaupt sind Wahlkämpfe eine Zeit, in der besonders oft von Zukunft die Rede ist. Als sei man beim Schwimmen im Strom etwas zurückgetrieben und müsse jetzt wieder aufholen. 

Leute von gestern, die das Heute nicht in den Griff kriegen (Glasfaser, Funklöcher), wollen rasch weiter nach morgen. Vielleicht klappt es ja da besser.

Aber mal im Ernst: Ich freue mich, wenn jemand Blockchain und Quantencomputing fehlerfrei buchstabieren kann.

Den meisten Menschen wäre allerdings schon geholfen, wenn wir Schlaglöcher aus den Strassen bekämen, wenn Brücken repariert würden und das Schulessen besser schmeckt. 

Aber das scheint vielen Politikern irgendwie altbacken zu sein. Jedenfalls ist man mit «Zukunft» irgendwie mehr vorn dran.

Oder man wünscht sich einfach aus der Gegenwart weg: #wegenMorgen heisst zum Beispiel der zentrale Stammel-Hashtag der CDU in diesem Wahlkampf.

Von wegen Morgen. Lieber verwegen jetzt. Oder so. Ist aber eigentlich auch egal.

Ralf Schuler ist Leiter der Parlamentsredaktion von BILD.
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