11. November 2021
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Reinhard Mohr

Lukaschenko stellt Baerbock und Habeck vor die Gretchenfrage: Wollen die Grünen offene Grenzen – ja oder nein?

«Ihr Bastarde, Ihr Wahnsinnigen, ihr wollt, dass ich Euch vor Migranten schütze?!», ruft der belarussische Diktator Lukaschenko den Europäern zu.

Als Machtzyniker verschweigt er, dass er es selbst ist, der gezielt Tausende Flüchtlinge an die polnische Grenze bringt, um die Europäische Union unter Druck zu setzen.

Dass er genau hier den Hebel ansetzt, offenbart zugleich die Verwundbarkeit des Westens: Denn wenn sich die europäische «Wertegemeinschaft» strikt an die UN-Flüchtlingskonvention hält, ist sie nahezu schutzlos den Angriffen von aussen ausgeliefert.

Das Ergebnis: «Offene Grenzen» – eine alte linksgrüne Forderung.

Umso gespannter darf man auf die Reaktion der Grünen sein, die mit SPD und FDP gerade eine neue Regierung bilden wollen. Angesichts der kriegsmässigen Invasionsversuche unter der populären Parole «Germany! Germany!» wird die notorische Moralisierung der Flüchtlingsfrage – «Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt!» (Katrin Göring-Eckardt) – kaum durchzuhalten sein.

So könnte die neue Massenmigration aus dem Osten zum Kosovo-Moment der Ampel werden, Stichwort Realitätsschock: Als die «Rot-Grünen» 1998 loslegen wollten, mussten sie erst einmal den Pazifismus abräumen und dem ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr ausserhalb des NATO-Gebiets zustimmen.

Heute geht es um eine robuste Verteidigung der europäischen Aussengrenzen.

Eine «Info-Kampagne» im Nahen Osten, wie sie Robert Habeck und Annalena Baerbock vorschlagen, wird da nicht reichen.

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4 Kommentare zu “Lukaschenko stellt Baerbock und Habeck vor die Gretchenfrage: Wollen die Grünen offene Grenzen – ja oder nein?”

  • ClaudiaCC sagt:

    Göring-Eckardt ("Wir bekommen Menschen geschenkt") hat sich schon geäussert : Angesichts der Bilder von der polnischen Grenze forderte sie "Solidarität". Aber nicht etwa mit den Polen, die sich mit den gewalttätigen Grenzbrechern herumschlagen müssen und schon garnicht mit den Deutschen, die die Massen-Invasion bezahlen müssen mit Milliarden schwer erarbeiteten Steuergeldern und verlorener Sicherheit, sondern mit den gewalttätigen "Schutz Suchenden", die Bäume fällen und als Rammböcke benützen.

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  • Propagandastaatsfunk sagt:

    Wer Deutschland zum kotzen findet, wird das schon richten.

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  • Joerg Sulimma sagt:

    "Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt!" Wäre Frau Göring-Eckhardt dieser Satz auch über die Lippen gegangen, wenn sie damals in Troja gewesen wäre, als Odysseus' Mannen das sprichwörtliche Pferd verließen? Polen waren keine dort, sonst wäre das Pferd außerhalb der Stadtmauern geblieben. Aber der Gedanke ist interessant. Dürfen dann auch wir Menschen verschenken? Mir fiele da so manche(r) ein. Aber wohin mit ihnen? In anderen Ländern weiß man noch, daß man Geschenke auch ablehnen kann.

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  • Der Michel sagt:

    Unterschätzen Sie die Weltfremdheit der GrünInnen nicht. KGE jüngst: "Menschenunwürdige Pushbacks nicht zulassen."

    Von dieser Partei (wie auch von SPD und der Linken) erwarte ich keinerlei sinnvolles Agieren; die FDP wird die Backen aufpusten - und dann wie ein zu früh aus dem Ofen genommenes Soufflé in sich zusammenfallen. Und die CDU hat 16 Jahre lang gezeigt, dass sie ganz auf der Seite der genannten Traumtänzer steht.

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