19. Oktober 2021
Thomas Renggli

Laut einem Klima-Professor müsste die Klimajugend nicht gegen das Auto, sondern gegen Milchkühe, Schafe und Ziegen ins Feld ziehen

In der Pandemie gibt es wenig zu lachen.

Als wäre die tägliche Covid-Ration nicht schon Pein genug, wird einem von der Umweltlobby nun auch noch der Milchkonsum vergrault.

Beim Corpus Delicti handelt es sich um eine alte Bekannte, die bis jetzt vor allem als Sympathieträgerin und Nahrungslieferantin wahrgenommen wurde: die Milchkuh.

Doch hinter der gelassen wiederkäuenden Fassade versteckt sich offenbar eine üble Umweltsünderin, ein Monster der Zivilisation. Das von den Kühen bei der Verdauung produzierte Methangas ist gemäss Studien zehn- bis zwanzigmal schlimmer als CO2.

Nun geht die Vermarktungsorganisation «Swissmilk» in die Gegenoffensive und ordnet die gute alte Kuh einer klimafreundlichen Landwirtschaft zu; weil sie das CO2-Bindepotenzial von Schweizer Wiesen fördere.

«Die Kuh ist keine Klimakillerin», behauptet Swissmilk. Diese Aussage wiederum stösst Reto Knutti, Professor für Klima¬physik an der ETH Zürich, sauer auf. Er bezeichnet sie im Tages Anzeiger als «beschönigend, um nicht zu sagen plump schönfärberisch».

Laut Knutti werden wichtige Faktoren ausgeblendet: Methan sei «mehr als nur ein Bäuerchen» im natürlichen Kreislauf, sagt er, sondern trage einen wesentlichen Anteil zur globalen Erwärmung bei.

Mit anderen Worten: Protestieren Klimajugend und Umweltaktivisten gegen das Auto, sind sie auf dem falschen Dampfer. Eigentlich müssten sie gegen die Milchkühe, Schafe und Ziegen ins Feld ziehen.

Mir persönlich ist dies ebenso wenig geheuer wie Milchersatzprodukte aus Soja, Mandeln, Reis, Hafer oder Erbsen.

Mein Vater lehrte mich einst: «Die Milch kommt von der Kuh.» Daran glaube ich noch heute – ganz ohne schlechtes Gewissen.

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1 Kommentar zu “Laut einem Klima-Professor müsste die Klimajugend nicht gegen das Auto, sondern gegen Milchkühe, Schafe und Ziegen ins Feld ziehen”

  • Joerg Sulimma sagt:

    Ich sehe hier kein großes Problem! Da die meisten Klimajugendlichen, zumindest in den Städten, heutzutage noch nie Milchkühe, Schafe und Ziegen gesehen haben, wird es bei dem Protest gegen die Autos bleiben. Herr Knutti wird sich also höchstselbst gegen die "Methan-Bäuerchen" auf die Weiden begeben müssen!

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