15. Oktober 2021
Rolf Hürzeler

Kolumbus-Denkmal demontiert: In Mexiko-Stadt muss der Seefahrer einer Herrscherin weichen

Der Seefahrer Christoph Kolumbus erreichte im Herbst 1492 die Bahamas, wo er anlegte. Er war der Überzeugung, die Westpassage nach Indien gefunden zu haben. Die Vorstellung, er sei gekommen, um ein Kolonialreich zu begründen, ist absonderlich.

Noch abstruser ist die Idee, Kolumbus habe damit den Sklavenhandel initiiert.

Die Leibeigenschaft war damals Teil fast aller Gesellschaftsformen in Europa, Amerika oder Afrika. Erst die Spanier stilisierten Kolumbus später zum Entdecker von Amerika und ehrten ihn querbeet mit Monumenten.

Doch längst hat ein neues politisches Bewusstsein Lateinamerika erreicht: In Mexiko-Stadt ist deshalb ein prominentes Kolumbus-Denkmal verschwunden. An seiner Stelle kommt die Figur einer jugendlichen «Herrscherin aus Amajac» zu stehen, die im frühen 16. Jahrhundert gelebt haben soll.

Diese Skulptur ist künstlerisch gewiss wertvoller als die historiografische Kolumbus-Statue. Aber als Anti-Kolonialismus-Denkmal eignet sie sich denkbar schlecht: Die Frau gehörte mutmasslich dem Volk der Totonaken an, die unter der Herrschaft der Azteken mit ihren Tausenden von Menschopfern litten.

Diese Totonaken verbündeten sich deshalb mit den ankommenden Spaniern in der Hoffnung auf Hilfe gegen ihre indigenen Unterdrücker.

So unbequem kann die Geschichte sein.

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1 Kommentar zu “Kolumbus-Denkmal demontiert: In Mexiko-Stadt muss der Seefahrer einer Herrscherin weichen”

  • Der Michel sagt:

    "So unbequem kann Geschichte sein" - wenn man recherchiert. Die meisten Leute werden von der nunmehr verewigte Dame wohl lediglich wissen, dass sie weiblich (zumindest biologisch), indigen (also jedenfalls nicht "eklig weiß") und - unterstellt "erfolgreich" (sonst kennte man sie ja nicht) war. Welch ein Gewinn gegenüber einem "alten weißen Mann" wie dem Herrn Kolumbus!

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