10. Januar 2022
René Hildbrand

Junge haben ein geringeres Risiko, sich mit Corona anzustecken. Trotzdem müssen sie verzichten. Der Leidensdruck ist gross

Es ist inzwischen bekannt: Kinder und Jugendliche können sich mit Corona anstecken, aber der Krankheitsverlauf verläuft in den allermeisten Fällen mild bis sehr mild. Das Risiko, überhaupt angesteckt zu werden, ist bei Menschen unter 20 Jahren laut einer umfassenden Studie einer Londoner Universität fast die Hälfte geringer.

Doch die Generation Corona hat es schwer. Sie leidet. Kontaktbeschränkungen, Quarantäne, scharfe Regeln in Schule, Sport oder Ausgang führen nicht nur zu grossem Frust – viele junge Menschen finden, dass ihnen ein Teil ihrer Jugend genommen wird. Sie fühlen sich in ihrem Recht auf freie Entfaltung beschnitten und übergangen, sie kommen während der Pandemie zu kurz. Und sie beklagen, dass ihre Sorgen nicht gehört werden, dass sie beeinträchtigt, vernachlässigt und sogar vergessen werden.

Beim Sport oder Party-Machen unter Gleichaltrigen sein – soziale Beziehungen sind wichtig für das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit. Corona treibt viele jungen Menschen in die Not. Teenager trinken und kiffen mehr, Depressionen häufen sich.

Die Psychiatrische Uni-Klinik Zürich (PUK) hat bekannt gegeben, dass sich die Einweisungen von Minderjährigen in die Erwachsenen-Psychiatrie – aufgrund mangelnder Kapazitäten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie – mehr als verdoppelt haben.

Zum Ende des zweiten Lockdown (Mitte März bis Ende Mai 2021) haben in Deutschland rund 500 Kinder und Jugendliche versucht, sich das Leben zu nehmen. SVP-Nationalrat Alfred Heer sprach am letzten Mittwoch in «Talk Täglich» Klartext. Er warf seinem Kontrahenten Balthasar Glättli, Grünen-Präsident und Massnahmen-Hardliner, vor: «Ihr macht das Leben der jungen Leute kaputt, Ihr wollt sie wegsperren. Es ist eine grosse Schweinerei, wie diese leiden müssen. Ihr seid verantwortlich für die psychischen Folgeschäden. Dass die Grünen und Roten das unterstützen, kann ich nicht nachvollziehen.»

Einen Tag später doppelte SVP-Generalsekretär Peter Keller in einem NZZ-Interview nach: «Man hat den Jungen fast zwei Jahre ihres Lebens gestohlen. Sie wurden und werden in einer Phase ihre Lebens eingeschränkt, in der frühere Generationen Spass hatten und reisen konnten.»

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1 Kommentar zu “Junge haben ein geringeres Risiko, sich mit Corona anzustecken. Trotzdem müssen sie verzichten. Der Leidensdruck ist gross”

  • Resistencia sagt:

    Nein, auch wenn nur einer von 100.000 Symptome bekommt, ist er es wert, damit alle die tolle hochwirksame absolut sichere "Impfung" bekommen müssen. Wenn die Wissenschaft nicht will, dann wird wie in Deutschland entsprechend Druck ausgeübt. Noch grösser ist der asoziale Druck auf die Kinder in den Schulen, wo sie regelrecht öffentlich vorgeführt und gedemütigt werden. Dazu noch die Ausgrenzung in den anderen Lebensbereichen, durch die " G" Ausgrenzungen, damit der Druck bei den Eltern landet.

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