06. Januar 2022
Henryk M. Broder

Ein Richter verbietet einem Bürger, einen Nachbarn mit «Rüdiger» anzusprechen, denn der Nachbar ist eine Nachbarin, die in einem männlichen Körper geboren wurde

Vergangenen Mittwoch titelte Bild mit einer Geschichte von überregionaler Bedeutung: «Helene Fischer – ihre kleine Tochter ist da!»

Das war mal wieder typisch Bild, sexistisch, voreilig und respektlos. Ob Helene Fischer eine «kleine Tochter» oder einen «kleinen Sohn» bekommen hat, wird sich erst dann entscheiden, wenn die «kleine Person», der Helene Fischer das Leben geschenkt hat, in der Lage sein wird, selbst zu bestimmen, ob sie eine Frau oder ein Mann sein will.

Denn wie wir inzwischen wissen, wird «man» nicht als Frau oder Mann geboren, «man» wird dazu gemacht. Die geschlechtliche Zugehörigkeit ist keine biologische Tatsache, sondern ein «soziales Konstrukt».

Diese Erkenntnis beginnt sich langsam durchzusetzen.

Nicht nur in Städten mit vitalen Subkulturen wie Hamburg, Berlin, Köln und München, sondern auch auf dem Lande, zum Beispiel in Recklinghausen, einer grösseren Kleinstadt im Ruhrgebiet, im Nordwesten des Landes Nordrhein-Westfalen, zwischen Lünen im Osten, Gladbeck im Westen, Herne im Süden und Haltern am See im Norden.

Dort, also in Recklinghausen, hat ein Richter einem Bürger der Stadt verboten, einen Nachbarn mit «Rüdiger» anzusprechen oder ihm «Rüdiger» nachzurufen, denn der Nachbar ist eine Nachbarin, die «in einem männlichen Körper geboren (wurde), aber seit fast sieben Jahren als Frau (lebt)».

Sie hat gerichtlich «eine Vornamens- und Personenstandsänderung erwirkt», aus Rüdiger wurde «auch auf dem Personalausweis Sophie Vivien».

Der Rechtsanwalt von Sophie Vivien kommentierte das Urteil mit den Worten: «Es ist ein grosser Sieg für die geschlechtliche Selbstbestimmung», jeder Mensch habe das Recht, «seine Geschlechtszugehörigkeit frei zu bestimmen».

Aber warum nur das Geschlecht, ist nicht auch das Alter ein «soziales Konstrukt»? Man ist so alt, wie man sich fühlt, oder?

Die Deutsche Bahn bietet «allen unter 27» einen Spezialtarif an, «Super Sparpreis Young».

Recklinghausen, ich komme!

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7 Kommentare zu “Ein Richter verbietet einem Bürger, einen Nachbarn mit «Rüdiger» anzusprechen, denn der Nachbar ist eine Nachbarin, die in einem männlichen Körper geboren wurde”

  • Bernohm sagt:

    Warum sollte in meiner ehem. Heimatstadt Recklinghausen der pandemische Schwachsinn nicht inzwischen auch Einzug gehalten haben?

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  • Peter Eschmann sagt:

    Nichts Offizielles: Bei uns gibt es einen Mann, nennen wir ihn Mario, der beschloss, nachdem er die Familie verlassen hatte, jetzt heisse er Maria. (Die Ausweise wurden nicht angepasst, war auch noch nicht möglich.) Nahm auch Hormone. In einem Restaurant traf er eine Frau, die ihm gefiel. Ab da hiess er wieder Mario. Aber es ging auseinander und er wurde älter, weshalb er wieder Maria heisen wollte. Letzthin sagte er mir, jetzt sei er wieder Mario.

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  • Propagandastaatsfunk sagt:

    An alle deutschen Nachbarn, bevor ihr wegen einer Ordnungswidrigkeit, welche ihr nicht bezahlt in Beugehaft kommt, bitte das Geschlecht vorher schnell ändern. Kann man zum Volkssport machen in Deutschland, jedes Jahr einmal das Geschlecht ändern lassen, mal sehen wie lange das diese Ämter mit machen.

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  • AntonHofnarr sagt:

    Wunderbar ! Endlich brauche ich keine Ausrede mehr, wenn ich meinen PKW auf einen Frauenparkplatz stelle ...

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  • Ulrich J. sagt:

    Da war man in katholischen Kreisen schon weiter. Mit dem 2. Vornamen „Maria“ für Knaben hatte man alle Optionen. Ein Wechsel des Rufnamens und die Sache war erledigt. Auch die Verwendung ausländischer Vornamen bietet sich an. Bei „Andrea“ kann sich das Heranwachsende entscheiden, ob die italienisch-männliche oder die deutsch-weibliche Form gilt.

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  • Oudewaeller sagt:

    Also gemäß der Rechtssprechung in Recklinghausen, wäre es doch Gesetzteskonform wenn ich mein Kind nur noch mit "Es" anspreche, bis es sich entschieden hat, was "Es" mal werden möchte. Der Amtschimmel wiehert mal wieder.
    Aber eigentlich ist es sehr traurig

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