22. Oktober 2021
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Wolfgang Koydl

Hundert Tage nach der Jahrhundertflut herrscht noch immer Katastrophenstimmung in den Unglück-Gebieten. Die Medien vergessen schnell

Sie gehört zum festen Repertoire des öffentlich-rechtlichen TV: Die Reportage aus einem Katastrophengebiet, einige Zeit nach dem Unheil.

Berichtet wird aus Italien, Haiti oder der Türkei, wo sich für die Bewohner Monate nach der Katastrophe nichts gebessert hat.

Der Zungenschlag: In solchen Ländern ist das zu erwarten. Schlendrian, Korruption, Bürokratie, die Mafia.

In solchen Ländern?

Neuerdings müssen Reporter nicht so weit reisen. In den deutschen Flutgebieten sieht es nicht viel besser aus.

Hundert Tage sind seit der Katastrophe verstrichen, aber von einem annähernd normalen Leben ist nichts zu spüren.

Zwar kam der Bundespräsident noch mal auf einen Abstecher vorbei und stellte mit dem ihm eigenen Scharfsinn fest, dass erst «ein Blick in die Häuser» das Ausmass der Schäden zeige.

Was er nicht sah: Unfähige Behörden, ausgebuchte Gutachter, knausrige Versicherungen, und vor allem: Feuchte Wohnungen ohne Heizung kurz vor dem Winter.

Schnelles Vergessen ist Alltag. Doch die Überschwemmungen galten als Jahrhundert-Unglück.

Da darf auch hinterher nicht gleich Alltag einkehren.

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2 Kommentare zu “Hundert Tage nach der Jahrhundertflut herrscht noch immer Katastrophenstimmung in den Unglück-Gebieten. Die Medien vergessen schnell”

  • Joerg Sulimma sagt:

    Lieber Herr Koydl, sie haben vollkommen Recht, aber hier musste sofort wieder Alltag einkehren, schon wegen der Bundestagswahl. Wenn diese ganzen Themen den Wahlkampf mitbeherrscht hätten, wäre wohl keine Partei ungeschoren davon gekommen. Am allerwenigsten Armin Laschet mit seiner CDU. Das dürfte auch der Grund sein, dass nur noch der Bundespräsident seinen Weg in die Flutgebiete fand. Auch den Grünen war dieses Thema interessanterweise zu heiß, um dort gegen den Klimawandel zu predigen!

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  • AntonHofnarr sagt:

    Der Wahlkampf ist vorbei, weshalb sollte sich noch jemand um die notleidende Bevölkerung kümmern? Es kotzt (Verzeihung) mich einfach nur an, wie dieses System größtenteils agiert.

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