08. Dezember 2021
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Roger Köppel

Herrschaft der Experten: Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist ein Problem für die Demokratie

Die Sehnsucht ist so alt wie die Menschheit: Manche sehnen sich den Philosophen-Staat herbei, die wohlwollende Diktatur der Gelehrten, Erleuchteten, Experten.

Dann, so die Hoffnung, würden nicht niedere politische Instinkte regieren, sondern Fachleute, die drauskommen, die nicht lange fackeln, weil sie wissen, wie’s geht. Angeblich.

So ein Ideal-Kandidat aus Platons Philosophen-Staat ist Karl Lauterbach, neuer deutscher Gesundheitsminister. Selber Mediziner, hat sich Lauterbach als gebieterischer Corona-Experte in der Talk-Show-Stratosphäre einen Stammplatz erobert.

Jetzt also Minister. Logisch?

Einspruch. Experten in der Politik sind ein Risiko. Vielleicht sogar eine Gefahr. Experten sind Makler von Theorien, die sie selber für die Wahrheit halten. Experten wissen alles und alles meistens besser.

Sind das die Eigenschaften, die ein Minister braucht? Im Gegenteil. Minister müssen mehr zuhören als wissen. Experten diskutieren nicht gern, weil sie das Resultat der Diskussion ja bereits im Voraus kennen.

Platons Philosophen-Staat war, kein Zufall, eine Diktatur, Hölle für die Bürger.

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9 Kommentare zu “Herrschaft der Experten: Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist ein Problem für die Demokratie”

  • Ulrich J. sagt:

    Lieber Herr Köppel, Lauterbach als Mediziner bzw. Experte auf diese Gebiet zu bezeichnen, ist schon gewagt. Er hat hat dieses Fach zwar studiert, aber weder praktiziert noch geforscht. Ich persönlich würde auf eine fachliche Expertise von seiner Seite verzichten, da ist ein praktizierender Sanitäter kompetenter. Oder würden Sie sich einem Taxifahrer anvertrauen, der zwar einen Führerschein sein Eigen nennt, aber 20 Jahre kein Auto gefahren hat?

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  • Joerg Sulimma sagt:

    ...außerdem, lieber Herr Köppel, haben sie die Ernennung von Marco Buschmann zum neuen Bundesjustizminister vor ein paar Tagen damit kommentiert, er sei zwar noch nicht sonderlich bekannt, aber ein "glänzender Jurist", wenn ich mich recht erinnere. Sie gehen also ganz selbstverständlich davon aus, daß ein Justizminister Jurist sein sollte. Das ist auch meine Meinung. Aber warum sollten für das Gesundheitsministerium dann andere Regeln gelten?

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    • Der Michel sagt:

      Da stimme ich zu. In meinen Augen sollte jedes Ministerium, jeder Arbeitskreis, jeder Ausschuß mit Fachpersonal besetzt sein. Wozu das derzeit praktizierte Gegenteil führt kann man exemplarisch auch an den Kommissionen zum Ausstieg aus Kernenergie und Kohle sehen.

      Was die Fachkompetenz der künftigen Ministerriege angeht stehen uns düstere Zeiten bevor. Und wenn dann - wie bei den letzten Verteidigungsministerinnnen, insbesonder der Flintenuschi - auch noch Selbstherrlichkeit dazukommt, dann ...

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  • Joerg Sulimma sagt:

    Ich widerspreche, zumindest teilweise! Herr Lauterbach ist auch für mich nicht der richtige Gesundheitsminister. Dies aber nicht, weil er vom Fach ist - das ist mit Sicherheit besser als Spahns vollkommene Ahnungslosigkeit. Sondern weil er beides sein will, Experte und Entscheider. Wäre er intelligenter, würde er den Experten zuhören und sein Fachwissen dann für kluge Fragen nutzen. Jeder Politiker ist je nach Ausbildung auf irgendeinem Gebiet Experte. Dieses Wissen muss er auch nutzen können!

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  • HP-Klaus sagt:

    Lauterbach und Hirschhausen, solche Ärzte braucht der moderne Mensch. Die Medizin als Multi-Media-Horrorshow inszeniert, das törnt den TV Zuschauer und Nutzer der Durchschnitts-Medien an, während er kiffend, und Cola verzehrend im Home-Office hockt. Ich habs versucht, einige davon zu erreichen. Keine Chance, die "Birne" ist so dicht. Aber ich versuche es trotzdem weiter. Köppel am Morgen vertreibt Kummer & Sorgen _ wenigstens etwas. Danke Roger

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  • Resistencia sagt:

    Das erschreckende an diesem schrecklichen Schreckensverbreiter ist, dass er in seinem Wahlkreis erschreckend gute Werte hatte. Seine Ex-Frau sieht in ihm eher einen medizinischen Hochstapler. Seine Irrungen und Wirrungen in seinem privat-politisch verfilzten Leben interessieren ja ebenso wie bei Scholz niemanden. Politik und Medien haben mit Corona ein Konglomerat der Unlogik und Unwahrheit geschaffen, welches sich gegenseitig stützt.

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  • Emmnue sagt:

    Wir sind in der Expertokratenbesserwisserei inzwischen schon einen Schritt weiter. Ein erweiterter Suizid eines Vaters, der seine Familie tötete, Hauptgrund: gefälschter Impfpass, der aufgefallen war und geahndet werden sollte. Ein Tropfen, der das Fass zum Überlauf brachte und im Kommentarbereich von Focus für weitere Hetze, Häme und bösartigen Kommentaren sorgt. Was ist mit den Menschen los? Man ist verführt zu fragen, was macht die Impfung mit den Hirnen der Geimpften?

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  • Janosh sagt:

    Mich erschüttert und beängstigt die sich abzeichnende Ausgrenzung und Hatz auf Nichtgeimpfte. Die Drohungen welche von den politischen Führern ausgestossen werden und das Echo welches uns von der Strasse entgegendröhnt erinnern stark an die unsäglichen Verbrechen welche 1938 in der ‚Reichskristallnacht‘ ihren Anfang nahmen. WEHRET DEN ANFÄNGEN - noch ist Zeit für eine Versöhnung. Diese unmenschliche Geschichte darf sich nicht wiederholen.

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  • Der Michel sagt:

    Lauterbachs "Expertenwissen" ist vor allem eins: Unausgegoren. Halbwahrheiten, zusammenreimtes Zeug, abenteuerliche Spekulationen (wie beispielsweise das Alter der auf ITS liegenden Patienten im Frühsommer, das er wohl aus seinem Urin abgelesen hat) und haltlose Behauptungen.

    Eine Lichtgestalt, die demnächst den Bankfuzzi ablösen wird. Hurra Deutschland.

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