30. September 2021
Anabel Schunke

Fortsetzung im Fall El-Hassan: Die radikale Muslimin darf beim WDR als Autorin arbeiten. Antisemitismus kümmert den Staatssender weiterhin wenig

«Nemi El-Hassan wird ‘Quarks’ nicht moderieren», titelten diverse grosse deutsche Medien am Dienstag. Kurz keimte bei vielen Menschen die Hoffnung auf, dass man beim WDR seinen Anstand wiederentdeckt hätte und Antisemiten, egal welcher Herkunft und Religion, keine Bühne bietet.

Bei genauerer Lektüre der Begründung entpuppt sich die Lösung jedoch als äusserst inkonsequent. So erwäge man El-Hassan, eine radikale Muslimin, die vor sieben Jahren bei einer höchst Israel-feindlichen Kundgebung mitmarschierte, statt einer Moderation eine Tätigkeit als Autorin. 

Es macht den Eindruck, als sei Antisemitismus für den öffentlich-rechtlichen Sender nur dann ein Problem, wenn die betreffende Person vor der Kamera tätig ist. 

Dazu passt auch die Aussage, dass die Moderation zu einer «unangebrachten Politisierung» der Sendung führen würde. Als bestünde das Hauptproblem nicht in den antisemitischen Entgleisungen der studierten Ärztin, sondern in der Diskussion über ihre Fehltritte. 

«Es ist eine schwierige, schwierige Abwägung», betont Intendant Tom Buhrow. 

Unweigerlich fragt man sich, ob die Entscheidung bei einem nicht-muslimischen Antisemiten auch derart «schwierig» gewesen wäre.

Die Bewertung von Antisemitismus, das wurde durch den Fall El-Hassan klar, scheint beim Staatssender WDR sehr selektiv.

Kulturbonus, so der Verdacht.

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1 Kommentar zu “Fortsetzung im Fall El-Hassan: Die radikale Muslimin darf beim WDR als Autorin arbeiten. Antisemitismus kümmert den Staatssender weiterhin wenig”

  • Der Michel sagt:

    Bei Mitarbeitern, die mit den falschen Politikern privat (!) zum Mttagessen gehen ist die Abwägung jedenfalls ganz einfach.

    Und Antisemitismus ist für den ÖR nicht nur "dann ein Problem, wenn er vor der Kamera stattfindet" - sondern nur dann, wen er auffällt, weil jemand nachfragt. Die feine Dame hätte den Quark (pardon: Quarks) sonst ja moderiert...

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