17. September 2021
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Ralf Schuler

Festspiele der Anscheinerweckung: Wir beobachten einen Wahlkampf, in dem Politiker zwar fordern, ablehnen, geisseln – aber gleichwohl nichts sagen

«Wir brauchen…» 

«Ich will, …» 

«Es kann doch nicht sein, dass…»

Wahlkampfzeiten sind Festspiele der gezielten Anscheinerweckung.

Täglich darf man Auftritten beiwohnen, in denen Politiker unter Zuhilfenahme einer reichen Ausdruckspalette von entschlossen («Lassen Sie mich das in aller Klarheit sagen…») über energisch («Ehrlich gesagt…») bis empört («Das muss man sich mal vorstellen…») fordern, ablehnen, geisseln.

Worte, die druckvoll daherkommen und dennoch nichts zu sagen haben. 

Sie schaffen beim Zuhörer das warme Gefühl, verstanden zu werden und verpflichten gleichwohl zu nichts. 

Statt konkreter Versprechen, verbale Hülsenfrüchte, die am Ende als politische Blähungen entweichen.

Es ist, als begrüsste einen der Verkäufer im Media Markt mit den Worten: «Ich weiss genau, was sie suchen: brillante Farben, neueste Technik zum günstigsten Preis.» 

Die Annahme, er werde uns ein genau solches Gerät («Ich habe da was für Sie!») verkaufen, liegt nahe, ist gewollt, aber durch nichts begründet.

Ralf Schuler ist Leiter der Parlamentsredaktion von BILD.
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