28. Oktober 2021
Kurt W. Zimmermann

Fall Julian Reichelt: Erst nach dem Abgang des Bild-Chefredaktors wird klar, wie viel Bauchweh er Spiegel, Stern, Süddeutsche & Co. bereitete

Auch eine Woche danach können sie nicht genug davon bekommen: Mit glühenden Wangen schreiben die deutschen Journalisten Tag für Tag über das grosse Glückserlebnis ihrer Berufskarriere, dass Bild-Chefredaktor Julian Reichelt über seinen Testosteronspiegel stolperte.

«Reichelt-Sumpf», nennt es inzwischen die Süddeutsche Zeitung.

«Ein Sumpf aus Schmutz und Affären», nennt es der Spiegel.

Man kann aus dieser Wortwahl erahnen, welchen Schmerz Reichelt und seine Bild-Zeitung in den letzten Jahren den sogenannten Qualitätsmedien zugefügt haben muss.

Tatsächlich, wann immer es um das dominierende politische Thema ging, um Freiheit und Unfreiheit rund um Corona, war es die Bild-Zeitung, welche die Tonlage setzte. Nur sie traute sich, vehement gegen die Restriktionen der Merkel-Regierung anzuschreiben.

Spiegel, Süddeutsche und Stern, die stolzen Leitmedien der Vergangenheit, waren in dieser Debatte hingegen abgemeldet. Ihre Resonanz war so gering wie kaum je zuvor.

Sie standen nicht mehr für kritischen Journalismus, sie standen nur noch im Schatten von Meinungsmacher Bild.

Welche Erleichterung. Das chronische Bauchweh klingt ab.

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2 Kommentare zu “Fall Julian Reichelt: Erst nach dem Abgang des Bild-Chefredaktors wird klar, wie viel Bauchweh er Spiegel, Stern, Süddeutsche & Co. bereitete”

  • Ulrich J. sagt:

    Das chronische Bauchweh klingt ab? Reichelt hatte erkannt, dass Hofberichterstattungen und der Wunsch, beim Bundespresseball mit der Kanzlerin tanzen zu dürfen, nicht im Interesse des Lesers sind. Deshalb wird sein Rauswurf den Niedergang dieser Art Medien nicht aufhalten. Ich hatte mein SPIEGEL-Abo jedenfalls nicht wegen kritischerer Berichterstattung anderer gekündigt. Aber wir werden sie noch recht lange ertragen müssen. Den Regierenden gefällt diese Art Journalismus, …

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    • Ulrich J. sagt:

      … und sie werden Mittel finden, sie auf anderem Weg zu alimentieren. Wozu gibt es wohl den Rechercheverbund von NDR, WDR und SZ? Sicher auch, um Gelder aus dem GEZ-Topf (neudeutsch „Demokratieabgabe“) an die notleidende , aber treu zur Sache stehende private Medienwirtschaft weiterzuleiten.

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