07. Januar 2022
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Deborah Ryszka

Eine «Parlamentspoetin» soll Politik und Poesie zusammenführen. Das Bundestags-Theater wäre vollendet

Der Deutsche Bundestag braucht eine «Parlamentspoetin». So lautet eine Forderung der Schriftsteller Mithu Sanyal, Dmitrij Kapitelman und Simone Buchholz in der Süddeutschen Zeitung.

Ist das nicht eine tolle Idee? Politik und Poesie. Hand in Hand. Wie Ernie und Bert. Wie Anna und Lena. Oder doch wie Pest und Cholera?

Feststeht jedenfalls: Das ist eine Schnapsidee.

Was früher der Narr am Hofe des Königs war, soll für die Bundesregierung wiederbelebt werden – selbstverständlich politisch korrekt.

Die poetischen Aufgaben der Regierungsdichterin? Sie soll Gedichte zur politischen Lage schreiben. Diese im Plenum vortragen. Und hin und wieder, Gedichte mit Politikern verfassen.

Offensichtlich hinterliess Andrea Nahles (SPD) eine zu grosse Lücke im Kulturprogramm der Bundesregierung. Wer erinnert sich nicht an ihre mehr oder weniger legendäre Tanz- und Gesangseinlage der Pippi Langstrumpf? Da kann ihr auch eine Vollzeitdichterin nicht das Wasser reichen.

Daher mein Vorschlag: Eine Parlamentsmusikerin, eine Parlamentsmalerin und eine Parlamentstanztruppe müssen her. Das Parlamentstheater haben wir ja schon.

Der Schulterschluss wäre komplett: Politik, Medien, Wissenschaft – und Kultur. Und der Traum in rot endlich Wirklichkeit.

Angela Merkel lässt grüssen.

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5 Kommentare zu “Eine «Parlamentspoetin» soll Politik und Poesie zusammenführen. Das Bundestags-Theater wäre vollendet”

  • Himmelsblick sagt:

    Ich finde die Idee großartig! Allerdings sollte die Poetin im Vorfeld sich der gleichen Rechte versichern, welche diejenigen genießen, über die gedichtet wird: Narrenfreiheit, Immunität, Beamtenstatus, Amtszeit für 4 Jahre, doppelte Besoldung, da sie mit Regierung und Opposition arbeiten wird, Recht auf unzensierte Veröffentlichung, Neutralität, Unbestechlichkeit. Bitte, wo kann ich mich bewerben?

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  • onckel fritz sagt:

    Ein ehemaliger Schulkamerad, der jetzt selbst zur schreibenden Zunft zählt, lästerte zu Schulzeiten schon immer über das „Poesiealbum“, was jedes Mädchen mit sich führte, und was er immer „Pöhsie“ aussprach, weil die Verslein darin von entsprechender Qualität waren. Jetzt also eine „Parlamentspötin“ oder ein „Parlamentspöter“?

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  • onckel fritz sagt:

    „Man hält sie, wenn sie schweigen, für Gelehrte. Nur ist das Schweigen gar nicht ihre Art. Sie haben vor der Brust Apostelbärte und auf den Eisenbahnen freie Fahrt.“ (Erich Kästner, Lob der Volksvertreter). Einem weitgehend toten Parlament hat ein toter Dichter zu genügen.

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  • Dominik Hellenbeck sagt:

    Warum auch nicht? Eine Parlamentspoetin könnte ein paar schöne Lieder schreiben für "den teuersten Gesangsverein der Welt". So nannten Spötter das deutsche Parlament ja schon einmal - vor nun gut 80 Jahren...

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  • AntonHofnarr sagt:

    In der Tat eine Schnapsidee (und was für eine) ... letztlich werde ich das Gefühl nicht los, daß es den politisch Maßgebenden in dieser BRD schon längst total schnurz ist, wie sie das Geld der Steuerzahler auf sinnloseste Art und Weise verplempern.

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