15. Oktober 2021
Anabel Schunke

Norwegen: Ein Däne richtet ein schreckliches Blutband an. Dass er zum Islam konvertiert war, interessiert die Medien weniger

Als vorgestern Abend die Meldung kursierte, dass ein mit diversen Waffen ausgerüsteter Däne in Norwegen ein Blutbad mit fünf Toten und zwei Verletzten angerichtet hatte, war die Anteilnahme mit den Opfern zunächst gross.

Zumindest so lange man davon ausging, den Täter in die Ecke des rechtsextremen Anders Breivik rücken zu können.

Als herauskam, dass der Mann zum Islam konvertiert und seine Radikalisierung Polizei-bekannt war, wurde es vor allem im woken Twitter-Universum stiller.

Noch gestern Nachmittag trendete der Hashtag #Breivik auf Twitter in den Top 10 in Deutschland, die Hashtags #Islam oder #Islamismus sucht man vergebens.

Auch in vielen deutschen Medien, wo man bereits unmittelbar nach der Tat Vergleiche zu Breivik zog, war man plötzlich nicht mehr so an einem Motiv interessiert.

Während die britische Daily Mail und andere ausländische Zeitungen die Konvertierung des Täters in den Headlines trugen, gab man sich bei der Tagesschau ahnungslos. Auch im Deutschlandfunk hiess es: «Motiv unklar.»

Mit der Anteilnahme ist das so eine Sache: In Deutschland hält sie in der Regel so lange an, wie sie der eigenen politischen Instrumentalisierung dienlich ist.

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2 Kommentare zu “Norwegen: Ein Däne richtet ein schreckliches Blutband an. Dass er zum Islam konvertiert war, interessiert die Medien weniger”

  • AntonHofnarr sagt:

    Ich verstehe diese Medien nicht. Geschieht ein Verbrechen aus einer rechten Ideologie heraus, ist das offenbar erheblich schlimmer als wenn die Ursache in links-rot-grünem oder religiösem Fanatismus zu suchen ist. Für die Opfer, bzw. deren trauernde Hinterbliebene macht das keinen Unterschied. Aber die Darstellung ist eine Frage der Objektivität. Und die ist eine absolute Mangelerscheinung bei den meisten der Meinungsmanipulierer in der BRD.

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  • Joerg Sulimma sagt:

    Sehr richtig! Ich erinnere nur an das Attentat in Würzburg, wo an einem islamistischen Hintergrund von Anfang an kein Zweifel bestehen konnte. Wer schreibt heute noch davon? Meine Tochter lebt in dieser Stadt und war nur eine Stunde vorher am Tatort vorbei gekommen. Ihre Berichte an dem Abend unterschieden sich zum Teil sehr deutlich von dem, was stundenlang in der Presse zu hören war. Wäre der Täter mutmaßlicher Rechtsextremist gewesen, Herr Steinmeier und Frau Merkel wären längst dort gewesen.

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