10. September 2021
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Roman Zeller

Die unfassbare Corona-Arroganz der deutschen Behörden: Ein 3-jähriges Mädchen wird in Quarantäne gesteckt. Der Tonfall erinnert an die DDR

Dass Kleinkinder in Quarantäne gesteckt werden können, wirkt bizarr. Noch bizarrer ist, wie arrogant die deutschen Behörden ihre Massnahmen anordnen und durchsetzen wollen.

Im DDR-mässigen Tonfall befahl eine «Gesundheitsaufseherin» des Landkreises Potsdam-Mittelmark die 14-tägige Isolation eines dreijährigen Mädchens.

Das Mädchen hatte in der Kita mit einem Corona-infizierten Kind gespielt. Nun steht es unter dem «Verdacht» der Ansteckung, obwohl es «nie positiv» getestet worden sei, wie der Vater gegenüber der Weltwoche bestätigt.

Trotzdem wurde das Kind der «Beobachtung unterworfen». So entnehmen es die Eltern dem zackigen Schreiben, das der Weltwoche vorliegt.

Im Wortlaut: «Das heisst für Sie, in Bezug auf ihr Kind, dass sie insbesondere die erforderlichen Untersuchungen durch die Beauftragten des Fachdienstes Gesundheit zu dulden und den Anordnungen des Fachdienstes Gesundheit Folge zu leisten haben.»

Diese Massnahmen enden nur, wenn das dreijährige Mädchen 48 Stunden vor Ende der Quarantäne symptomfrei ist und die Eltern des Kindes am 14. Tag der Quarantäne «durch eine beauftragte Teststelle» entweder einen Antigen- oder PCR-Test durchführen lassen. Das negative Ergebnis ist «dem Fachdienst Gesundheit» mitzuteilen.

Besonders pikant: Die Eltern müssen den Beamten jederzeit Zutritt zur Wohnung gestatten. Hinzu kommt: «Auf Verlangen» haben sie «über alle den Gesundheitszustand des Kindes betreffenden Umstände Auskunft» zu geben.

Dass es die Behörde ernst meint, ist der Rechtsmittelbelehrung zu entnehmen. Dort steht: Gegen den Bescheid sei innerhalb eines Monats Widerspruch zulässig, ein «eventueller Widerspruch» habe allerdings «keine aufschiebende Wirkung».

Im Klartext: «Die Anordnungen gelten also auch für den Fall ihres Widerspruchs sofort mit Zustellung und Bekanntgabe dieses Bescheids.»

Sollten die Eltern die Kooperation verweigern, erfolgt eine «zwangsweise Absonderung» des Kleinkindes in eine «abgeschlossene Einrichtung». Bei Zuwiderhandlungen droht eine «Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren» oder eine «Geldbusse».

Das Schreiben endet ohne Unterschrift, dafür mit folgender Formulierung: «Dieser Bescheid wurde mit Hilfe automatisierter Einrichtung erstellt und ist daher ohne Unterschrift gültig.»

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, seien solche Briefe «hundertfach» verschickt worden, wie die Regierung um den SPD-Landrat Wolfgang Blasig verlauten liess.

Blasig, in Moskau und der DDR aufgewachsen, amtet seit 2008 als Landrat. Zuvor war er Bürgermeister von Kleinmachnow, unweit von Berlin.

Das Handeln seiner Behörde sieht er in den Schranken des Rechts, den Tonfall als «klar und deutlich», um die Konsequenzen zu kommunizieren.

Womöglich schwelgt er in Erinnerungen seiner Kindheit.

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1 Kommentar zu “Die unfassbare Corona-Arroganz der deutschen Behörden: Ein 3-jähriges Mädchen wird in Quarantäne gesteckt. Der Tonfall erinnert an die DDR”

  • over stag sagt:

    Als Ostfriese ist mir ein ungeschminkter, "klarer und deutlicher" Tonfall eines Staatsdieners, der jederzeit für das Recht und die Freiheit seines Souveräns , des deutschen Volkes eintritt, bedeutend lieber als ideologisch durchgeformte, mit allen anwaltlichen Wassern gewaschene, PC-Etikette.

    Die totalitär-sozialistische Schweinerei liegt in diesem DDR -2.0-Fall weniger im vergriffenen Tonfall, sondern in der von der Polit-Klasse geförderten Selbstermächtigung ihrer staatlichen Instanzen.

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