26. August 2021
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David Schärer

Die Selbstdemontage der deutschen Grünen schreitet voran. Einen Monat vor den Wahlen haben sie einen Clip vaerbockt

Viralität ist eine harte Währung in der Aufmerksamkeits-Ökonomie.

Mit Viralität ist die epidemische Verbreitung von Botschaften gemeint.

Botschaften, die viral gehen, werden über Nacht bekannt und generieren das, wonach sich Kampagnentechniker sehnen: Medienaufmerksamkeit.

Das Aufmerksamkeits-Kapital wirft also Zinsen in Form von zusätzlicher Aufmerksamkeit ab, so das ökonomische Prinzip.

Der Wirtschaftssoziologe Robert Merton beschrieb diesen Effekt als «Matthäus-Effekt». Denn im Matthäus-Evangelium heisst es: «Denn wer da hat, dem wird gegeben und er die Fülle habe […]».

Einen viralen Hit landen die deutschen Grünen mit einem Wahlwerbespot. Eine Art vertontes Wahlprogramm auf der Melodie des bekannten Volkslieds «Kein schöner Land».

Der repräsentativ-diverses Bevölkerungsschnitt singt zu Bildung, Löhnen, Klima und endet auf Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock im Sprechgesang: «Den Aufbruch leben. Wir sind bereit.»

In seiner Pose der Authentizität wirkt der Spot bizarr, weil man seinen Dilettantismus nicht mal ironische Coolness rezipieren kann.

Die Selbstdemontage schreitet bei den Grünen also voran, man möchte ihnen zurufen, damit aufzuhören. Denn Aufmerksamkeit ist nicht gleich Aufmerksamkeit.

Der Leitsatz aus dem Gleichnis im Matthäus-Evangelium hat eine Fortsetzung, die man hier neu lesen sollte: «[…] wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.»

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