10. November 2021
Alexander Wendt

EZB-Chefin Lagarde verkündet, dass die Inflation noch immer zu niedrig ist. Büssen werden es die klassischen deutschen Sparer

Selten liefen die geldpolitischen Wege von der amerikanischen Fed und der EZB so deutlich auseinander: In der vergangenen Woche kündigte Fed-Chef Jerome Powell die Reduzierung seiner Anleihenkäufe an. Für eine Zinsanhebung nannte er noch kein Datum, aber er liess keinen Zweifel an seinem Ziel: Geldpolitische Normalität.

Selbst dieses Ziel verschwindet gerade aus der Euro-Zone: Am Montag verkündete EZB-Chefökonom Philip Lane die Botschaft seiner Chefin Christine Lagarde: Ein Ende der Anleihenkäufe sei nicht geplant, eine Zinsanhebung undenkbar, die Inflation «immer noch zu niedrig».

Gleichzeitig wollen die Euro-Finanzminister die Maastricht-Schuldengrenze – bisher 60 Prozent der Wirtschaftsleistung – auf 100 Prozent heraufreformieren.

EZB und Politik etablieren eine neue Normalität, in der die Zentralbank Staaten flüssig halten und neuerdings auch die grüne Transformation fördern soll.

Ihr einziges offizielles Ziel verschwindet: Die Geldstabilität.

Das schadet nicht allen: Wer sein Vermögen rechtzeitig in Aktien, Gold und Immobilien steckte, profitiert sogar. Diese Anlagen steigen auf Rekordwerte, je länger sich die Geldentwertung festsetzt.

Klassische Sparer – typisch vor allem für Deutsche – büssen schrittweise ihr Vermögen ein. Aus Berlin gibt es gegen den EU-Kurs kaum Widerstand.

Es ist paradox: In den USA, dem Land der chronisch überzogenen Kreditkarten, steht Geldstabilität politisch höher im Kurs als Deutschland, dem Staat der Girokonto-Bürger.

119 0

2 Kommentare zu “EZB-Chefin Lagarde verkündet, dass die Inflation noch immer zu niedrig ist. Büssen werden es die klassischen deutschen Sparer”

  • Joerg Sulimma sagt:

    Jerome Powell ist Banker - als Präsident der FED übrigens von Donald Trump nominiert -, Christine Lagarde Politikerin, unbeleckt von jeglichem Sachverstand in Fragen, die eine Notenbank zu beantworten hat, die ihren Namen wert ist. Das ist der Unterschied, der von der EU ja auch gewünscht ist, gewünscht werden muß, wenn man das künstliche Konstrukt "Euro" aufrecht erhalten will. Vielleicht erklärt sich so der Rücktritt von Jens Weidmann ja noch einmal aus einer anderen Perspektive...

    14
    0
  • Der Michel sagt:

    Es ist das Problem der Wohlstandsverwahrlosung. Wenn ich im Bekanntenkreis warne, dann höre ich regelmäßig "was willst du denn, es geht uns doch gut". Dazu die staatlich organisierte Verblödung durch Rundfunk und Presse - jeden Tag aufs Neue das Ammenmärchen vom "reichen Deutschland" - wie lange noch?

    12
    0

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2022 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.