13. Oktober 2021
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Matthias Rüb

Fünfte Papst-Audienz von Merkel: Mit Papst Franziskus versteht sich die Kanzlerin prächtig – vor allem bei moralischen Fragen

Die Bundeskanzlerin ist auf Abschiedstour: Letzte Woche in Slowenien und Italien, übers Wochenende in Israel.

Beim Besuch in Rom wurde Angela Merkel auch von Franziskus empfangen. Es war die fünfte Privataudienz für die evangelische Pfarrerstochter aus Ostdeutschland beim Papst aus Argentinien. Bei ihrem Landsmann Benedikt XVI. war sie einmal.

So häufig wie Merkel wurde kein deutscher Regierungschef von Päpsten empfangen – auch die Katholiken Helmut Kohl und Konrad Adenauer nicht.

Tatsächlich verbindet Angela Merkel und Jorge Mario Bergoglio vieles: Sie wuchsen in totalitären (DDR) und halbtotalitären (Peronismus) Verhältnissen auf, ohne gegen diese aufzubegehren. Soziale Gerechtigkeit war (und ist) ihnen wichtiger als persönliche Freiheit.

Einmal an der Macht, haben sie ihre Organisationen (CDU; die katholische Weltkirche) nach links gerückt. Das hat deren Niedergang zwar nicht gebremst, den Aufstieg von konkurrierenden Organisationen aber begünstigt (SPD und Grüne; Evangelikale und Pfingstkirchen).

Im Streit um illegale Einwanderung haben sie Andersdenkende buchstäblich exkommuniziert: Merkel während der Flüchtlingskrise von 2015 mit dem Satz: «Wenn wir uns entschuldigen müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.» Franziskus mit Blick auf Trumps Grenzzaun zu Mexiko von 2019 durch das Urteil: «Wer Mauern baut, ist kein Christ.»

Neben der Migrationspolitik verbindet sie besonders der Kampf gegen den Klimawandel: Merkel und Bergoglio sind kinderlos. Sie kennen daher nicht den natürlichen Impuls von Eltern, dass es der unmittelbare Nachwuchs besser haben soll als man es selber hatte.

Sie nehmen stattdessen kommende Generationen in den Blick, deren Überleben klimamässig auf dem Spiel stehen soll.

Ihre abstrakte Fernstenfürsorge geben sie als tätige Nächstenliebe aus.

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16 Jahre Angela Merkel. Was sie gut machte. Ihr grösster Fehler. Deutschland heute: Eine Demokratie ohne Opposition

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