08. Dezember 2021
Beatrice Achterberg

Deutschland setzt auf die Elektrifizierung, aber schafft es nicht, der Tesla-Giga-Fabrik eine Betriebsbewilligung zu erteilen

Unglaublich, Elon Musk hat sein Versprechen eingelöst: In Rekordverdächtigen knapp zwei Jahren entstand die Tesla-Gigafabrik in Brandenburg. Und mit ihr: Tausende Arbeitsplätze, damit künftig hunderttausende Elektroautos pro Jahr produzieren werden können.

Man könnte meinen, Deutschlands grüner Traum wird wahr. Oder nicht?

Zu früh gefreut: Zwar rollen bereits die ersten Prototypen vom Fliessband, nur der Verkauf ist noch nicht gestattet. Das Mammut-Vorhaben von Unternehmer-Genie Musk wartet auf die Bewilligung vom Landesumweltamt. Wann der Startschuss erfolgt, ist unklar.

Es ist zum Gähnen: Wo bleibt hierzulande der Unternehmergeist? Die Zukunftsvision? Der «Fortschritt», wie ihn die Ampel-Koalitionäre derzeit rauf und runter beschwören?

Das Chaos verdeutlicht: Wer in Deutschland mit unternehmerischen Visionen daherkommt, sieht sich mit einer horrenden Bürokratie konfrontiert, mit Bürgern, die rebellieren und, wie bei Tesla, bereits zum dritten Mal eine Fristerstreckung fordern, um Einwände zu auszuformulieren.

Es bleibt zu hoffen, dass Musk in dieser Zeit nicht auf die Idee kommt, das Projekt woanders zu realisieren. Das ginge bei ihm bekanntlich ganz schnell.

64 4

5 Kommentare zu “Deutschland setzt auf die Elektrifizierung, aber schafft es nicht, der Tesla-Giga-Fabrik eine Betriebsbewilligung zu erteilen”

  • Lutz Bernhardt sagt:

    Deutschland ist und war schon seit langem ein extrem innovations-feindliches Land. Nach grossen Erfolgen in der Handschrift-Erkennung wollte ich 1986 in die Spracherkennung einsteigen. Venture-Kapital in Deutschland? Fehlanzeige. Staatliche Förderung? Ich bekam den amtlichen Bescheid: "Spracherkennung ist Software und nicht förderungswürdig!." Diesen Bescheid besitze ich noch im Original. Und Spracherkennung ist heute ein Milliarden-Markt! Inzwischen bin ich aus Deutschland ausgewandert.

    6
    0
  • Alt-Badener sagt:

    Das, was der Herr Musk jetzt erlebt, habe ich ihm in einem Leserbrief in meiner Tageszeitung schon prophezeit, als der Plan publik wurde, dass er in Deutschland eine Fabrik bauen möchte. Er hat meinen Leserbrief sicherlich nicht zu lesen bekommen. Aber gut informierte Berater hatte er offensichtlich nicht. Auf einem leckgeschlagenen Kreuzfahrtschiff sollte man eben keine Kreuzfahrt buchen, so einfach ist das, lieber Herr Musk.

    6
    0
  • onckel fritz sagt:

    In Brandenburg wurde schon so manche Steuermillion für Luftnummern versenkt, ohne die heutzutage offenbar kein Unternehmer mehr was unternimmt. Im Unterschied zu Cargolifter oder BER fährt ein Tesla wenigstens die paar Kilometer, die die Batterie ausreicht, wenn er nicht gerade irgendwo schwer löschbar abbrennt. Herr Musk macht sein Geld mit Emissionszertifikaten und Subventionen, nicht mit dem wirtschaftlichen Verkauf von E-Autos.

    20
    1
  • Waldi Wick sagt:

    Tesla scheint zwar gut zu sein - für die Wirtschaft und die Anteilschein-Inhaber. - Aber woher soll der Strom kommen um die Millionen von Automotoren dereinst täglich am Laufen zu halten? Da hat Mr. Musik wohl nicht viel gedacht, was!?!

    19
    1

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2022 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.