17. September 2021
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Beat Gygi

Der britische Historiker Tooze befürchtet einen Rechtsrutsch mit «systemischen Risiken für die Euro-Zone», sollte Merz oder Lindner Finanzminister werden. Wirklich?

Interview in der NZZ mit dem britischen Historiker Adam Tooze zur Ära Merkel und zur absehbaren Zukunft: Auf europäischer Ebene gebe es den Wunsch nach Kontinuität, sagt Tooze, vor allem mit Blick auf Merkels Finanzpolitik und ihre Zustimmung zur gemeinsamen Schuldenaufnahme in der EU.

Merkel als Klammer für Europa.

Dann eine Bemerkung wie ein Elektroschock: Ein Rechtsrutsch, so Tooze, könnte das gefährden: «Friedrich Merz oder Christian Lindner als deutsche Finanzminister – das wären systemisch Risiken für die Euro-Zone.»

Wie bitte?

Seit 1980 driften doch die Unionsparteien nach links, Helmut Kohl und Angela Merkel haben ihre Stimmen meisterhaft immer weiter links gesucht – und gefunden. Sozialdemokratischer kann die Union fast nicht mehr werden.

Und da soll eine gewisse Korrektur nach rechts à la Merz oder Lindner ein systematisches Risiko darstellen?

Tooze bestätigt: Auch amerikanische Anleger sähen bei einem Rechtsrutsch die relative Stabilität gefährdet, die man durch finanzpolitische Notbehelfe in der Euro-Zone erreicht habe.

Demnach wäre ein deutscher Finanzminister, der rational rechnet, ein Risiko für die EU. Deshalb lieber einer, der beim Schuldenmachen sagt: «Deutschlands Kasse ist für alle da.» Geschmeidig wie SPD-Finanzminister Olaf Scholz oder die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel.

Aber lieber nicht einer, der sagt: zwei plus zwei sind vier, und der zum deutschen Geld schaut. Weil das die Euro-Stabilität gefährde, wenn diese Sichtweise in Deutschland allzu stark werden sollte.

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