11. November 2021
Ralf Schuler

Der Tagesspiegel sieht im Kinder-Hörspiel «Die drei ???» lauter «männliche Machtfantasien». Sag mal, geht's noch?

Es ist immer wieder ärgerlich, wenn die Realität sich partout nicht den eigenen Wünschen fügen will.

Eine Tagesspiegel-Autorin entdeckte dieser Tage zum Beispiel den unhaltbaren Zustand, dass in der Kult-Hörspiel-Reihe «Die drei ???» lediglich drei halbwüchsige Jungs als Hobby-Detektive unterwegs sind und angeblich zu wenig vorbildhafte Mädchenrollen vorkommen.

«Männliche Machtfantasien» hat sie entdeckt und ein «sexistisches Frauenbild» in einer «dominierenden Männerwelt».

Das ist schlimm und leider seit 1979 mehr als 200 Bücher, Hörspiele, Live-Shows in grossen Arenen, Lesungen und zig Stunden Specials lang niemandem aufgefallen.

Jetzt isses raus!

Endlich sagt’s mal eine!

Man müsse Kinder vor diesen Geschichten schützen, schreibt sie und räumt auch noch mit «TKKG» (da heisst ein Pummel mit Spitznamen „Klösschen“) auf, und «Fünf Freunde» geht auch nicht.

Ich mache mir jetzt ernsthaft Sorgen um meinen Sohn (26), der «Die drei ???» noch immer abonniert hat. Die Regalwand mit den CDs und Kassetten werde ich schusssicher verschliessen und «Benjamin Blümchen» (Hallo?! Tierwohl! Geht’s noch!) gleich mit verbannen.

Die Machtfantasien von den politisch korrekten und ein wenig erfolglosen «Drei !!!» (Mädels-Truppe) sind selbstverständlich in Ordnung.

Und wenn mal wieder irgendwo Bücher angezündet werden, sollten Wilhelm Busch, Grimms Märchen und überhaupt der Sagen- und Volksmärchen-Schatz weltweit den Flammen übergeben werden, wo überall älteste Söhne, irgendwelche Recken, Kleinwüchsige (7 Zwerge) und reihenweise Prinzessinnen vorkommen, die der Vater edlen Knappen zur Frau gibt: Geht. Gar. Nicht.

Verwirrt unsere Menschen nur und Kinder schon gar.

So!

Ralf Schuler ist Leiter der Parlamentsredaktion von BILD.
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2 Kommentare zu “Der Tagesspiegel sieht im Kinder-Hörspiel «Die drei ???» lauter «männliche Machtfantasien». Sag mal, geht's noch?”

  • onckel fritz sagt:

    Ja, Herr Schuler, bei „den Menschen“ sind wir ja schon, bei „unseren Menschen“ auch bald wieder. Zum Glück bestimmen nicht solche Redakteusen, sondern immer noch die Eltern, was die Kinder hören, sehen und lesen. Leider zieht in neue Medienprodukte für Kinder auch immer mehr erzieherisches Gutmenschentum ein.

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  • Joerg Sulimma sagt:

    Und was machen wir mit Goethes "Faust"? Mephisto ist zwar wohl männlich, aber doch irgendwie Minderheit. Aber Sentenzen wie der "Weisheit Brüste"? Oder "Wohl um die schlanke Hüfte frei, zu sehn wie fest geschnürt sie sei."? Und daß in seiner Aufzählung der Fakultäten in der Schülerszene Klima- und Gendertheorie fehlen? Und Faust, ein alter weißer Mann, der ein junges Mädchen verführt und zugrunde richtet? Im Osterspaziergang wird auch nicht auf schmelzende Gletscher hingewiesen. Des Pudels Kern!

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