22. Oktober 2021
Matthias Matussek

Der Schuldkult erreicht das Klima: Kinderbuchautorin Cornelia Funke entschuldigt sich, weil sie zu wenig gegen die Erderwärmung getan hat

Der deutsche Schuldkult hat eine neue Heimat.

Nicht mehr nur die deutschen Verbrechen im Holocaust müssen von nun an abgebüsst werden, sondern auch die deutsche (Mit-)Schuld am planetarischen Untergang.

Die deutsche Bestseller- und Kinderbuchautorin Cornelia Funke («Drachenreiter») hat sich bei ihren jungen LeserInnen dafür entschuldigt, dass sie zu wenig gegen die Erderwärmung getan hat.

Damit ist ein erheblicher Paradigmenwechselt im deutschen Gemütshaushalt verbunden: Die deutsche «Schuldtranszendenz» (Thorsten Hinz, Cato), die durch die Schulderklärung der Evangelischen Kirche vom 19.Oktober 1945 den Rang einer Zivilreligion erhielt und nach Hakenkreuzschmierereien in Köln 1959 unter der Adenauer-Regierung das Gesetz gegen Volksverhetzung nach sich zog, galt bisher der unumstössliche Stützpfeiler des deutschen Gewissensgewölbes.

Weshalb es auch völlig logisch ist, dass mit allen Mitteln und lautem Halali des Rechtsstaates Jagd auf eine heute 96-jährige ehemalige Schreibkraft veranstaltet wird, die zum Tatzeitpunkt achtzehn war und daher nach Jugendstrafrecht verurteilt werden wird – ihr hatte man die Todeslisten im KZ Stutthof diktiert.

Doch nun geht es jünger und schneller: Cornelia Funke ist nur die mutige Erste, andere Jahrgänge müssten folgen.

Jetzt sind wir alle dran!

Denn das Bundesverfassungsgericht hatte in seinem Urteil vom 24. März dieses Jahres bescheinigt, dass der Staat, und damit wir alle, zum «Klimaschutz» und zur «Herstellung der Klimaneutralität» verpflichtet seien.

Und wenn er sich an dem geschätzte 2000 Milliarden teuren und dennoch unmöglichen Unternehmen verheben würde, sollte er es dennoch tun, sollten wir alle es tun, denn der deutsche Staat dürfe «keine Anreize setzen, das erforderliche Zusammenwirken zu unterlaufen».

Im Klartext: Wieder einmal sollen wir Deutschen der Welt mit gutem Beispiel vorangehen. Beziehungsweise die Tatsache gutmachen, dass wir ihr mal ein fürchterlich schlechtes Beispiel gaben.

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3 Kommentare zu “Der Schuldkult erreicht das Klima: Kinderbuchautorin Cornelia Funke entschuldigt sich, weil sie zu wenig gegen die Erderwärmung getan hat”

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