10. September 2021
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Urs Gehriger

Der Depro-Fetisch zum 9/11 Gedenktag ist deplatziert. Die Anti-Terror-Mission in Afghanistan war nicht für die Katz

«Wenn Sie sich jemals nutzlos fühlen, denken Sie daran, dass es 20 Jahre, zehntausende Tote, Billionen von Dollar und 4 US-Präsidenten gebraucht hat, um die Taliban durch die Taliban zu ersetzen.»

Plattitüden wie diese kursieren zum 20. Gedenktag des schrecklichsten Terroranschlags der Neuzeit auf sozialen Medien. Lehnstuhl-Experten blasen ins selbe Horn. Als ob 20 Jahre Krieg gegen Terror für die Katz gewesen wären. 

Der Depro-Fetisch ist unehrlich. Die Alliierten hatten ihre Armeen nach Afghanistan geschickt, um die Attentäter von 9/11 auszuschalten. Und um weitere Angriffe aus dem wilden Hindukusch zu verhindern.

Zwanzig Jahre lang haben sie das mit beachtlichem Erfolg getan. Tödliche Netzwerke wurden dezimiert. Terrorfürst Bin Laden wurde eliminiert.

Mehr noch. Die Intervention in Afghanistan verlieh dem Volk einen Schub von Freiheit. Millionen von Mädchen können jetzt lesen, schreiben. Frauen fanden Einzug in die Arbeitswelt. Infrastruktur wurde aufgebaut. Medien florierten. Medizinische Versorgung ist Realität.

Kein Zweifel: Im Krieg gegen Terror machte der Westen zahllose Fehler. Doch keiner war so fatal wie der von US-Präsident Biden befohlene, chaotische Truppenabzug.

Die US-Armee hinterliess den Taliban Kriegsmaterial im Wert von weit über zehn Milliarden Dollar. Biden ermöglichte nicht bloss die Rückkehr der «Gotteskrieger» an die Macht. Er schuf auch eine schlagkräftige Terrornation.

Dieser Schlusspunkt des Feldzuges, der vor genau 20 Jahren seinen Anfang nahm, ist das Debakel. Nicht, dass man ihn lanciert hat.

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