15. Oktober 2021
Thomas Renggli

Corona-Richtlinien absurd: Eishockey-Legende Slawa Bykow ist doppelt geimpft. Er darf trotzdem nicht ins Stadion

Wegen Covid herrschen zwischen Moskau und der Schweiz Zustände wie im kalten Krieg: Die Schweiz akzeptiert den Sputnik-Impfstoff nicht. Und Russland verweigert unseren Vakzinen die Anerkennung.

Dies bringt einen der bekanntesten in der Schweiz assimilierten (und eingebürgerten) Russen in eine absurde Situation: Slawa Bykow, Eishockey-Legende, mit der UdSSR viermal Weltmeister und zweimal Olympiasieger, mit Fribourg Gottéron an der Seite seines kongenialen Partners Andrei Chomutow in den 1990-er Jahren die grösste Attraktion auf den Schweizer Eisfeldern.

Bykow, der mittlerweile im Verwaltungsrat von Gottéron sitzt, hat Corona-bedingtes Stadionverbot – nicht, weil er infiziert wäre; sondern, weil er dem Impfstoff aus seiner Heimat vertraut.

Vor einigen Monaten hat Bykow die zwei Dosen Sputnik V erhalten. Für ein Schweizer Zertifikat genügt dies aber nicht.

Der 61-jährige ist darüber enttäuscht und irritiert. Denn bei Sputnik handelt es sich um einen Impfstoff, der einen Wirkungsgrad von 92 Prozent erreicht – und aus einem Land stammt, das wissenschaftlich und medizinisch immer eine Vorreiterrolle spielte.

Bykow sagt: «Russland war bei der Impfstoff-Produktion immer führend. Seit ich ein Kind war, habe ich unzählige Impfungen erhalten – und nie ein Problem damit bekundet.» Es sei schwer nachvollziehbar, dass ausgerechnet während dieser Krise die Politik über die Gesundheit gestellt werde.

Aber nicht nur Bykow fühlt sich von der Schweizer Regierung alleine gelassen: Wer am Mittwoch Bundesrat Berset zuhörte, traute seinen Ohren nicht. Hatte der Gesundheitsminister im Juni noch angekündigt, dass sämtliche Massnahmen fallengelassen werden, sobald alle impfwilligen Personen die Vakzine erhalten haben, sagte er nun: «Damals war die Delta-Variante noch kein grosses Thema.»

Wie bitte?

Unter anderem veröffentlichte der Tages-Anzeiger am 16. Juni unter dem Titel «Ansteckendst Variante breitete sich auch in der Schweiz aus» einen ausführlichen Artikel, der den «Weg» der Delta-Variante aus Indien nach Europa exakt nachzeichnet.

Vor der nächsten Medienkonferenz sollte Berset allenfalls gewisse Zeitungen nachlesen, um zumindest auf dem Stand von Juni 2021 zu sein.

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3 Kommentare zu “Corona-Richtlinien absurd: Eishockey-Legende Slawa Bykow ist doppelt geimpft. Er darf trotzdem nicht ins Stadion”

  • onckel fritz sagt:

    Der indirekte Impfzwang, der Umgang mit Ungeimpften ist, wenn nicht bereits ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, so doch zumindest galoppierender Wahnsinn; man denke an die Impfkampagnen gegen Schulkinder. Zum Glück bin ich im Ruhestand nicht auf ein Impfzertifikat angewiesen, es sei denn 2G schwappt aus Hessen auch auf die Supermärkte über. Dann müssen wir nach dem „Hamburger G20-Modell“ aus den Läden „Lebensmittel entnehmen“. Im Knast steht mir dann Verpflegung zu 🙂

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  • onckel fritz sagt:

    „Putin V“ ist ein Vektorimpfstoff, wie die im Westen bedingt zugelassenen von „Alcatraz“ und „Johnny“. Es sind wie die bedingt zugelassenen mRNA-Impfstoffe von „Biotonne-Pfeife“ aus der Mainzer Goldgrube und „Moder“ genbasierte experimentelle Therapien, medizinisch vergleichbar (un)wertig. Der Rest ist Politik, behördliche Rechthaberei, Handelskrieg, Pharmalobbyismus, wahrscheinlich von allem etwas, ausgetragen auf dem Buckel der Bürger.

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  • Der Michel sagt:

    Ausländische Studenten, die mit Sputnik oder einem anderen Stoff außer der "großen Vier" geimpft sind müssen in Deutschland täglich zum Test dackeln - und diesen an vielen Hochschulen bereits jetzt selbst bezahlen, mittelfristig wohl überall. Da der studentische Geldbeutel normalerweise nicht so üppig gefüllt ist, ist das vermutlich ein deutlich größeres Problem als wenn man Eishockeylegenden den Zutritt in ein Stadion verwehrt - so ärgerlich, ungerechtfertigt und instinktlos das auch ist.

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