22. Oktober 2021
Alexander Wendt

Bundesbank-Präsident Weidmann geht von Board. Er war ein löblicher Bremser und Verzögerer

Dass jemand auf der Bremse steht, gilt praktisch nie als Lob.

Zu Unrecht!

Institutionen brauchen zu ihrem eigenen Nutzen den Bremser und Verzögerer.

Diese Aufgabe übernahm Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor zehn Jahren im Rat der Europäischen Zentralbank. Jetzt gibt er den Posten ab, fünfeinhalb Jahre früher, als es seine Amtszeit zugelassen hätte.

Als Minderheitsvertreter pochte der Notenbanker darauf, was im Statut der EZB steht: Währungsstabilität.

Also nicht die Konjunkturbelebung mit zweifelhaften Haupt- und schweren Nebenwirkungen, nicht Hilfe für Schuldenregierungen, die ohne billiges Geld nicht mehr auskommen. Keine Beihilfe zum Green Deal. Dafür musste er sich als altmodisch und schwerfällig verhöhnen lassen.

Weidmann gehört zu denen, die wissen, dass alles, was längere Zeit überstehen soll, ein Eigengewicht braucht.

Und das erhöht schon ein Einzelner, der daran erinnert, dass Grundregeln für Institutionen etwas Ähnliches bedeuten wie tragende Wände für ein Haus.

Ein deutscher Grünen-Politiker meinte, jetzt bräuchte die EZB einen deutschen Vertreter, der «auf der Höhe der Zeit» steht.

Nach Weidmann wäre das ein Abstieg.

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3 Kommentare zu “Bundesbank-Präsident Weidmann geht von Board. Er war ein löblicher Bremser und Verzögerer”

  • Christian Schulz sagt:

    Ich habe keinen Zweifel, dass die Grünen es für denkbar halten, ein Haus ohne tragende Wände zu bauen, einfach ökologisch und selbsttragend. 😊

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  • kaercher sagt:

    Wenn man Unrecht nicht verhindern kann oder gehindert ist, einer übernommenen Verantwortung (Erhalt der Währungsstabilität) nachzukommen, und/oder wenn man als Fachmann vom Primat der Politik overrult wird (klimapolitischer Auftrag der EZB), dann muss man seinen Hut nehmen. So wie das schon Bundespräsident Horst Köhler und frühere Präsidenten und Chefvolkswirte der Dt. Bundesbank getan haben. Chapeau, Herr Weidmann!

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  • paolo.v sagt:

    Für mich Bundesbank-Präsident Weidmann geht von Board weil er nicht wie Hans-Georg Maaßen enden will.

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