26. Oktober 2021
Alexander Wendt

Boykottieren, löschen, canceln: Wie öffentliche Arenen zu zertifizierten Sicherheitsschleusen verkommen

Als die bisher als Autorin unbekannte Aktivistin Jasmina Kuhnke mitteilte, sie werde die Frankfurter Buchmesse boykottieren, weil sie sich von dem Stand eines Rechtsaussen-Miniverlags bedroht fühle, sprach erst einmal alles für Aufmerksamkeitsmaximierung.

Dann folgte die nächste Stufe: Frankfurts grüne Bürgermeisterin teilte mit, sie könne «nicht akzeptieren», dass «Menschen der Messe fernbleiben», und würde mit dem Chef des Branchenverbandes «das Gespräch suchen».

Eine weitere Grünenpolitikerin erklärte evidenzfrei, «schwarze Menschen» seien auf der Messe «nicht willkommen».

Im ZDF-Bericht zur Sache war nicht mehr von «rechtsradikalen», sondern «rechten Verlagen» die Rede.

Ebenfalls mit dem Argument der «Sicherheit» löschte Youtube kürzlich Videos der Aktion #allesaufdentisch, in denen staatliche Covid-Massnahmen rechtlich unanfechtbar kritisiert werden.

Es geht inzwischen nicht mehr nur darum, Positionen an den Rand zu drängen. Öffentliche Arenen sollen Sicherheitsschleusen erhalten, die nur noch ausdrücklich zertifizierte Teilnehmer passieren dürfen.

Mit der Behauptung des Bedrohungszustands will eine moralisierende Priesterkaste neue Dauerregeln schaffen – in Frankfurt und weit darüber hinaus.

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