24. September 2021
Roland Tichy

Böhmermann’s Todeslisten: Am Montag nach der Bundestagswahl soll es 250 Personen an den Kragen gehen. Ich stehe auch darauf

Seit gestern kursiert eine «Liste der 250 grössten Menschenfeinde» im Netz. «Bei vielen von denen würde eigentlich eine Entnahme helfen», steht da. «So macht man das auch mit gefährlichen Tieren, die Siedlungen zu nahe kommen.»

Es klingt wie ein Scherz, ist aber Ernst.

Eine Todesliste mit 250 Namen wurde erstellt; die meisten kennen wir aus den Listen von Jan Böhmermann. Darf man in diesem Land ungestraft zum Mord an Kritikern der Regierung aufrufen?

Autoren, Publizisten, Ärzte, Politiker mehrerer Parteien, Schauspieler – bunt gemischt sind es Kritiker, die diese oder jene Massnahme der Regierung Merkel kritisiert haben. Manche die Flüchtlingspolitik, andere Corona-Massnahmen.

Eine Gemeinsamkeit gibt es nicht, nur diese: Sie alle äussern sich kritisch, mal mehr und mal weniger.

Man ist geneigt, das für einen schlechten Scherz zu halten. Die übliche linke Satire, hahaha, die doch eine reale Funktion hat: Die Grenzen des Sagbaren zu verschieben, die Gewalt im Kleid der Satire redefähig zu machen.

Aber es ist kein Scherz, Kritiker pauschal mit Adolf Hitler gleichzusetzen, zum Mord an ihnen aufzurufen («Entnahme» heisst Tötung von Tieren). Solcher Spass, selbst wenn er einer sein sollte, ruft Nachahmer auf den Plan.

Wir kennen das. Der prominente ZDF-Mitarbeiter Jan Böhmermann hat mit solchen Listen begonnen, viele der Namen stammen von seinen Listen. 

Seither habe ich mehrere Morddrohungen erhalten. Bislang habe ich darauf nicht reagiert, sondern nur Türen verstärkt, Fenster gesichert, die Adresse gewechselt.

Auch den Begriff «Menschenfeind» beziehungsweise «menschenfeindlich» hat Böhmermann erst kürzlich in einer öffentlichen Diskussion mit Markus Lanz popularisiert, um zwangsweise kritische Positionen und Personen zu diskreditieren und aus dem Diskurs auszuschliessen.

Böhmermann selbst schiesst nicht, gebührenfinanziert lässt er schiessen und das ZDF befördert ihn dafür ins Hauptprogramm.

Ich nenne ihn, weil er die grösste Wirkung entfaltet, das Erstellen von Feindeslisten praktiziert und eingeführt hat und zeigt, wie verantwortungslos das öffentlich-rechtliche Fernsehen mittlerweile mit Hetzern und Hassern in ihren eigenen Reihen umgeht und ihnen breiten Raum und Möglichkeiten finanziert.

Ein selbsternanntes Künstlerkollektiv rief zum Mord am Kollegen Roger Köppel von der Weltwoche auf. Nur so, aus Spass. Aber genau das ist es nicht.

Wir können die Liste und den dazu gehörigen Text nicht dokumentieren, weil wir uns dadurch selbst womöglich strafbar machen würden.

Für mich ist sie Ausdruck einer ungeheuren Verrohung des links-grünen Milieus, das dieses Land beherrscht. 

Ich betrachte es als Ehre, auf dieser Liste zu stehen. Wir lassen uns nicht unterkriegen.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Tichys Einblick.

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8 Kommentare zu “Böhmermann’s Todeslisten: Am Montag nach der Bundestagswahl soll es 250 Personen an den Kragen gehen. Ich stehe auch darauf”

  • HJTL sagt:

    Wenn jetzt jemand aus der Todesliste umgebracht wird, ist es schwierig, psychische Probleme als Ursache zu "ermitteln". Das erfordert dann eine wirkliche Meisterleistung in Manipulation.

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  • koelscherPole sagt:

    Verehrte Kommentatoren,

    Sie vergessen vielleicht, dass in der Politik NICHTS ungeplant passiert.
    Das "Böhmmermänchen" ist nur ein Steinchen auf dem großen Spielbrett.
    "...Schon die alten Römer..." sagten: qui bono?
    Also ist er für die Konditionierung der Wahlschafe zuständig - zusammen mit anderen "offiziellen" Medien. Wieso? Henry Ford sagte Mal: "Denken ist schwere Arbeit, deswegen machen das so wenige". Und vorgekaute Meinung ist auch eine Meinung...

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  • Nostradamus sagt:

    Wie schrieb Jan Fleischhauer in seiner Focus-Kolumne so schön "Jan Böhmermann ein nerviger Sozialkundelehrer....." Die Aufzählung seiner Fehltritte im Auftrag der öffentlich Rechtlichen lohnt garnicht, aber eines greife ich doch kurz auf und zwar das "Ziegenficker" Gedicht gegen Erdogan, Bitte Herr Peter Altmaier retten Sie meine nicht vorhandene Ehre, ein Irrwitz und ein Witz in Fleisch gewordener Person namens Jan Böhmermann, die GEZ Vater und zugleich Mutter des genannten Kindes. MfG

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  • Dulsbi sagt:

    Herr Köppel zitierte heute aus der Bibel " Es giebt nichts neues unter der Sonne". Und die Bibel hat recht, genau wie 1933 werden wieder Todeslisten erstellt. Und wieder sind es die Sozialisten.

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    • AntonHofnarr sagt:

      Sehr gut, daß Sie das so ansprechen; auf Grund der leidvollen Erfahrungen aus der Vergangenheit sollte man meinen, daß die Menschheit eines für die Zukunft gelernt hat: NIE MEHR SOZIALISMUS. Weder in der Farbe braun noch in rot, geschweige denn grün. Die Milliarden von Menschen auf dieser Welt sind einfach individuell zu verschieden, diese ganze angedachte Gleichmacherei kann nicht funktionieren.

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  • Christian Schulz sagt:

    Wo kommt dieser Hass her? Warum läuft es in der Gesellschaft mit so rasender Geschwindigkeit in immer totalitärere und öko-sozialistische Gewaltphantasien?

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    • AntonHofnarr sagt:

      Rot-Rot-Grün scheint sich sehr siegessicher zu sein. Entsprechend tönen sie einschließlich ihrer Richter und Henker schon jetzt ihre umzusetzenden Ziele heraus. Nebenbei gefragt: war es nicht jener Böhmermann, der schon einen Tag vor Bekanntwerden des "Ibiza-Skandals" eine diesbezügliche Anmerkung machte?

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  • AntonHofnarr sagt:

    Daß dieser Böhmermann kein Satiriker, sondern ein gefährlicher, rücksichtsloser Fanatiker gegen Andersdenkende ist, sollte er damit endgültig unter Beweis gestellt haben. Um so trauriger, daß ihm in der moralisch verkommenen Welt der "öffentlich rechtlichen" BRD-Medien trotz seiner verbrecherischen Vorsätze nach wie vor Plattformen zur Verfügung gestellt werden, so, als sei nicht das geringste geschehen. Und für so was MUSS ich noch Monat für Monat zahlen. Gewissermaßen "Zwangs-Pay-TV".

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