08. November 2021
Kurt W. Zimmermann

Auch wenn sich Süddeutsche, Spiegel & Co. noch so Mühe geben: Die Pandora-Papers sind nicht mehr als ein Flohzirkus

Atemlos berichtet soeben die Süddeutsche Zeitung von einem politischen Erdbeben: «In Aserbeidschan fordert eine Oppositionsgruppe eine Untersuchung der Geschäfte des Autokraten Ilham Alijew.»

Denn der Name Alijew wird in den sogenannten Pandora-Papers genannt, entwendete Dokumente, in denen es um Steueroasen geht.

Na sowas! Die Opposition in Aserbeidschan opponiert gegen den eigenen Präsidenten! Eine Weltsensation!

Ähnlich atemlos berichtet soeben auch der Spiegel von einem politischen Erdbeben: «Die chilenische Opposition hat die Aufnahme eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsident Sebastián Piñera beantragt.»

Denn der Name Piñera wird in den Pandora-Papers genannt.

Na sowas! Die Opposition in Chile opponiert gegen den eigenen Präsidenten! Eine Weltsensation!

Einen Monat ist es her, seit die Pandora-Papers von den rotgrünen Blättern dieser Welt gemeinsam und unter Theaterdonner publiziert wurden. Seitdem suchen deren Journalisten verzweifelt nach Belegen zu ihrer Story über vermeintliche Steuerflüchtlinge. Doch nicht einmal in Baku und Santiago werden sie fündig.

Das erinnert alles sehr an die früheren Paradise-Papers und Panama-Papers, zwei ähnlichen Heissluftballons. In ihnen wurden beispielsweise Gerhard Schröder und Queen Elisabeth als Steuersünder verdächtigt. Man hat nie mehr etwas davon gehört.

Es ist ein wiederkehrender journalistischer Flohzirkus: Alle hüpfen herum, und das Gehüpfe bleibt folgenlos.

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1 Kommentar zu “Auch wenn sich Süddeutsche, Spiegel & Co. noch so Mühe geben: Die Pandora-Papers sind nicht mehr als ein Flohzirkus”

  • Joerg Sulimma sagt:

    Solange die Finanzwirtschaft so ruhig bleibt und nur die links-grünen Journalistenscharen sich aufregen, ist eines sicher: Die Papiere taugen nicht viel! Es ist allerdings immer wieder erstaunlich, wie wenig Ahnung von Wirtschaft und Finanzen in großen Kreisen der Mainstream-Medien vorhanden ist. Wie sehr man sich von vorgeschobenen "Compliance"-Richtlinien und Rechtsabteilungen den Verstand vernebeln lässt. Dann wundert man sich natürlich auch über den jüngsten Skandal bei der Credit Suisse...

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