13. Januar 2022
Alles lesen
Henryk M. Broder

Würdigung der Ex-Kanzlerin: CDU fordert eine «Merkel-Stiftung für Migration und Integration». Ich habe eine bessere Idee

Wir erinnern uns: Am 2. Dezember, also vor gerade mal fünf Wochen, wurde Angela Merkel mit einem «Grossen Zapfenstreich» feierlich verabschiedet. «Es war», so stand es tags darauf auf der Seite des Verteidigungsministeriums, «einer der letzten öffentlichen Auftritte der mächtigsten Frau Europas», wenn nicht gar der letzte.

Das Musikkorps der Bundeswehr spielte drei Musikstücke, die sich die Kanzlerin gewünscht hatte, darunter den Hildegard-Knef-Titel «Für mich soll’s rote Rosen regnen».

Der Rosen-Regen ist ausgeblieben, dafür melden sich immer mehr Merkel-Fans aus der CDU zu Wort und fordern, die Lebensleistung der Alt-Kanzlerin solle «entsprechend gewürdigt werden».

Norbert Röttgen, der Merkel gerne als Parteivorsitzender beerbt hätte, machte bereits im November den Vorschlag, die Kanzlerin zur «Ehrenvorsitzenden» der CDU zu ernennen. Jetzt hat der CDU-Vorsitzende von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, den «neu zu wählenden CDU-Bundesvorstand» dazu aufgerufen zu überlegen, «wie man Angela Merkels Lebensleistung parteiintern» würdigen sollte.

Dennis Radtke vom Arbeitnehmer-Flügel der CDU brachte die Gründung einer «Bundeskanzlerin-Merkel-Stiftung für Migration und Integration» ins Gespräch, denn: «Die Bewältigung der Flüchtlingskrise ist ein bleibender Verdienst von Angela Merkel.» Wozu eine Merkel-Stiftung für Migration und Integration gut und nützlich sein sollte, wenn die Flüchtlingskrise bereits erfolgreich «bewältigt» wurde, liess Dennis Radtke offen. Vielleicht geht es ihn um die Integration der aufsässigen Deutschen in den neuen Bundesländern.

Oder deren Migration – im Sinne von Auswanderung.

Mein Vorschlag zur Ehrung der Alt-Kanzlerin wäre: Eine 16 Meter hohe Säule auf dem Alexander- oder Potsdamer Platz, darin vertikal eingemeisselt «Wir schaffen das!», Merkels ganzes Vermächtnis nach 16 Jahren im Amt.

309 2

10 Kommentare zu “Würdigung der Ex-Kanzlerin: CDU fordert eine «Merkel-Stiftung für Migration und Integration». Ich habe eine bessere Idee”

  • Alex Brand sagt:

    Im Orkus sind noch Plätze frei! Hier gehört die Dame hin! Ohne Chor, denn das Gemeine geht klanglos in die Unterwelt!

    32
    0
  • onckel fritz sagt:

    Ich schlage vor, all die genannten netten CDUler zu Zäpfchen umzuschulen.

    42
    0
  • Alt-Badener sagt:

    Fakt ist, die CDU ist zu einem trostlosen Wurmfortsatz der handelnden Regierung degeneriert. Opposition, natürlich nicht, die CDUler sind nichts anderes als ideenlose Mitjubler dieser schrecklichen Regierungstruppe. Wollen sogar den Präsidenten, den nach meinem Empfinden trostlosesten Apparatschik in diesem Amt, wieder im Amt bestätigen und trauen sich nicht, einen eigenen Kandidaten zu präsentieren. Übler, trostloser und abstoßender kann "Opposition" wahrlich nicht sein.

    77
    0
  • Philippe Sommerfeld sagt:

    Merkel kann es nicht lassen. Sammeln von Streicheleinheiten. Ich denke, in ihrer Unfähigkeit wird sie nur noch von der Leyen, Lagarde, Annalena, Giffey, Sommaruga, Leuthard, Mauch, Ricklin, Germond, etc., etc. übertroffen. O.k.
    Sie war besser als erwartet. Das schafft der Biden auch.

    61
    1
  • Joerg Sulimma sagt:

    Die Säule ist eine gute Idee, lieber Herr Broder! Aber gemessen an dem, was von Angela Merkel bleibt - ich sage ehrlich, ich denke schon gar nicht mehr an sie - sind 16 cm in einer Vitrine in einer weiter nicht benötigten Ecke des Bundeskanzleramts ausreichend, mit einer roten Rose im Knopfloch. Wenn die Europäische Union der Meinung sein sollte, hier etwas mehr vorlegen zu müssen - in Brüssel sieht man die Dinge ja bekanntlich immer anders als im richtigen Leben -, möge sie das gerne tun!

    51
    2
  • helgahayes sagt:

    Bloß keine Erinnerung! Nur schamvoll schweigen.

    127
    0
  • AntonHofnarr sagt:

    Immerhin, die CDU zeigt, wofür sie während Merkel stand und dies offenbar weiterhin zu tun gedenkt. Das heißt, für mich bleibt sie auch künftig unwählbar.

    201
    0
  • Resistencia sagt:

    Eine Stiftung für die Folgen des Verfassungsbruchs von 2015 bis heute wäre durchaus angebracht. Man erinnert sich an die weit über 1000 Opfer des Silvesterpogroms von Köln, welches heftigst verschwiegen und fast ohne Verurteilungen blieb. All die Femizide und der Weihnachtsmarktanschlag. Die Opfer wissen, sofern sie noch leben, wem sie ihr Schicksal zu verdanken haben. Staatliche Ignoranz, Verweigerung von Verantwortung machten sie ein zweites mal zu Opfern!

    214
    1
    • Der Michel sagt:

      Im Sinne des Vorschlags des Autors könnte man die Namen der Opfer in die 16m hohe Säule einmeißeln... dazu die Namen der im Afghanistan- und anderen illegalen BW-Einsätzen von 05-21 gefallenen Soldaten, die Namen derjenigen, die in den letzten Jahren aus Verzweiflung über ihre unter verlogenen Behauptungen geraubte Existenz Suizid begangen haben usw. Weitere "Kennzahlen" dieser erfolgreichen Regierungs"politik" würden mir auch noch einfallen, um den A-M-Gedenkobelisken würdig zu gestalten.

      161
      1

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2022 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.