11. Oktober 2021
Henryk M. Broder

Deutsche Millionäre fordern eine höhere Besteuerung ihres Millionen-Vermögens. Warum tun sie nicht von sich aus Gutes?

Das politische System der Bundesrepublik wandelt sich, von der repräsentativen zu einer paritätischen Demokratie. 

Frauenverbände wollen das Wahlrecht ändern, damit in allen Parlamenten ebenso viele Frauen wie Männer sitzen, auch die Zahl der gewählten Abgeordneten mit «Migrationsgeschichte» soll ihrem Anteil an der Gesellschaft angepasst werden. Das wären etwa 25 Prozent. 

Ähnliche Forderungen stellen auch Angehörige anderer Gruppen und Subkulturen. Dem neuen Bundestag gehören zwei «Transpersonen» an, die sich vor allem um die Belange der «Transgender» kümmern wollen.

Und vor kurzem hat sich eine Minderheit zu Wort gemeldet, die bis jetzt den Gang in die Öffentlichkeit scheute: 50 Millionäre und Millionärinnen, also Millionär*innen, fordern in einem «Appell» an die Bundesregierung eine «höhere Besteuerung von Millionenvermögen», und das «unabhängig davon, ob wir durch Arbeit, Erbschaft, Unternehmertum oder Kapitalanlage zu Vermögen gekommen sind», denn: «Diejenigen, die mehr besitzen, können einen höheren Beitrag leisten, um die grossen Herausforderungen unserer Zeit anzugehen», unter anderem den «Klimawandel» und den «Wohnungsmangel».

Das ist, finde ich, keine unbillige Forderung. Ich frage mich nur, warum die Millionäre und Millionärinnen den Staat aufrufen, ihnen tiefer in die Tasche zu greifen, statt von sich aus Gutes zu tun – Klimaanlagen preiswert herstellen oder Wohnungen für Geringverdiener bauen.

Der moralische Mehrwert wäre beträchtlich, die finanziellen Verluste könnten sie von der Steuer absetzen. So wäre allen geholfen. Auch dem Staat, der sich nicht um alles gleichzeitig kümmern kann.

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1 Kommentar zu “Deutsche Millionäre fordern eine höhere Besteuerung ihres Millionen-Vermögens. Warum tun sie nicht von sich aus Gutes?”

  • Der Michel sagt:

    Gutes zu tun macht eben nur dann Spaß, wenn vor allem die anderen mitmachen müssen.

    Und nebenbei: Schon jetzt tragen die "starken Schultern" in unserer Gesellschaft - meistens zumindest - einen ganz erheblich höheren Anteil der Last. Nennt sich Steuerprogression.

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